Ein toller Film über unsere Arbeit in Amberg!

„Ein Mensch oder eine Gesellschaft besteht natürlich nicht nur aus der Gegenwart und der Zukunft, sondern zu einem großen Teil auch aus der Vergangenheit…“ – mit den Worten des Archäologen Dr. Mathias Hensch (Schauhütte Archäologie) beginnt der beeindruckende Film, der von den Ausgrabungen auf dem Gelände des ehemaligen Bürgerspitals erzählt.
Eine gelungene Dokumentation im Auftrag der Stadt Amberg – produziert von Oakstone Productions.

Hier können Sie den Film anschauen!

Film

Zahnarzt Dr. Michael Förster leistet der Schauhütte Archäologie professionelle Hilfestellung

In den 1980er Jahren wurde in einer Höhle unter der Burg Wolfsegg nördlich von Regensburg ein menschlicher Kinderschädel gefunden. Da diese Höhle und die hier gemachten Funde in der von uns mitgestalteten neuen Ausstellung im Burgenmuseum Wolfsegg eine besondere Rolle spielen werden, soll nun u.a. das Alter des Schädels mittels AMS-14C-Datierung ermittelt werden.

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Die Entnahme der Probe sollte möglichst ohne zusätzliche Beschädigung des Knochens vorgenommen werden, so dass wir uns entschieden haben, einen Zahn aus dem Oberkiefer zu verwenden. Da die Zähne noch extrem fest im Knochen sitzen, haben wir den Zahnarzt unseres Vertrauens, Dr. Michael Förster aus Neukirchen bei Sulzbach-Rosenberg gebeten, eine professionelle Extraktion vorzunehmen, ohne dabei den Knochen zu beschädigen. Der engagierte und routinierte Zahnarzt führte zuvor eine Röntgenuntersuchung des Oberkiefers durch und konnte anhand des Zahnstatus auch das Sterbealter des Mädchens recht genau bestimmen. Demnach war sie zum Zeitpunkt ihres Todes 5 oder 6 Jahre alt.

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Michael Förster konnte mit dem richtigen Werkzeug und seiner ruhigen Hand einen Molaren ohne Beschädigungen an Zahn und Knochen aus dem Oberkiefer extrahieren, der nun in Miami bei Beta Analytic das Alter des Fundes verraten soll. Vielen Dank an Drs. Mike & Christa Förster für die Hilfe.

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Das Haus der mittelalterlichen Hammerherren von Rauhenstein

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Im Zuge von bodenkundlichen Untersuchungen durch den Nürnberger Energiekonzern N-Ergie haben wir in den vergangenen drei Wochen begleitende archäologische Untersuchungen im Bereich des in den 1970er Jahren abgesiedelten Dorfs Rauhenstein bei Auerbach (Lkr. Amberg-Sulzbach) durchgeführt.
Rauhensteins Ersterwähnung im Jahr 1410 steht bereits mit der Verhüttung von Eisenerzen und der Weiterverarbeitung von Eisen in Zusammenhang. In diesem Jahr erlaubte Pfalzgraf Johann von Bayern Heinrich Stromeyer, einem Auerbacher Bürger, „bei der Stockwiese unterhalb der herzoglichen Hamerstad genant Segmül“ gegen eine jährliche Abgabe von 4 Gulden einen neuen Hammer zu errichten 1427 wurde dieses Hammerwerk an den Nürnberger Bürger Endres Prünster veräußert. Zwischen 1451 und 1488 sind mehrfache Besitzerwechsel des Hammerwerks in Rauhenstein überliefert.
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts ging das Hammerwerk in Besitz des nah gelegenen Benediktinerklosters Michelfeld über, um schließlich 1580 an die Stadt Auerbach zu kommen. In einem Auerbacher Salbuch von 1610 existiert eine interessante Beschreibung des Hammergutes Rauhenstein. Hier werden u.a. das Hammerhaus mit Hütte und Stadel genannt, das von einem Graben umegeben war, ein Wirtshaus mit einem Felsenkeller, ein Schmiedehaus „neben der Brücke“, ein Kohlenmesserhaus mit Garten, ein Stadel des Blechmeisters, ein Bauernhaus mit Hof, Stadel und ´Söldengütl´ auf dem Berg, eine Mühle mit einer Stallung sowie ein Hirtenhaus oberhalb des Wirtshauses.

Während des 30jährigen Krieges wurde das Hammergut 1626 zerstört. Ab 1650 wurden Hammerwerk und Herrenhaus von der Stadt Auerbach wieder aufgebaut. 1710 wird der Hammer Rauhenstein dann jedoch als öd liegend (verlassen) bezeichnet. Ab 1732 erfolgte die Wiederinbetriebnahme, was zugleich mit derErrichtung eines barocken Hammerschlosses an der Pegnitz durch das Michelfelder Kloster einherging (Quellennachweis: http://www.weber-rudolf.de/rauhenstein.htm).

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Bei unseren Untersuchungen konnten wir die gut erhaltenen Reste eines ca. 15 x 10 m großen spätmittelalterlichen Steingebäudes untersuchen. Der zumindest in den unteren Mauerteilen in qualitätvoller Quaderbauweise errichtete Steinbau stand südlichöstlich des barocken Hammerschlosses, deutlich vom Pegnitzlauf abgerückt im Bereich des ehemaligen Hofs Nr. 3. Nachträglich wurde wahrscheinlich im 16. Jahrhundert ein tonnengewölbter Keller in das Gebäude eingebaut. Aufgrund der qualitätvollen Steinbauweise und der vom Flusslauf separierten Lage des Gebäudes liegt die Vermutung nahe, dass wir hier das Hammerherrenhaus des frühen 15. Jahrhunderts erfasst haben. Zur schriftlichen Überlieferung passt der archäologische Befund, dass dieses Gebäude im 18. Jahrhundert planmäßig abgetragen wurde. Dies geschah also womöglich beim Bau des neuen, barocken Hammerschlosses, das bis 1987 stand.

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Mit einiger Wahrscheinlichkeit ist dieses Gebäude auf einer schematischen Federzeichnung von 1522 dargestellt, dass den Hammer Rauhenstein mit seinen wichtigsten Gebäuden zeigt. Links der Pegnitz steht hier als einziges Gebäude ein breit gelagerter Baukörper (wahrscheinlich) mit Vollwalmdach und einem Eingang in der Mitte der Traufseite.

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Ältere Fundamentreste unterhalb des von uns untersuchten Gebäudes belegen zudem eine steinerne Vorgängerbebauung an gleicher Stelle, die wir jedoch nicht weiter untersuchen konnten, da hier keine Bodeneingriffe vorgenommen werden sollen. Allerdings zeigen zahlreiche im älteren Fundament verbaute Verhüttungsschlacken eine Eisenproduktion an diesem Ort bereits zur Zeit der Errichtung dieses älteren Vorgängerbaus.

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Weiter nordöstlich konnten wir außerdem auf der ehemaligen Hofstelle Nr.1, auf der bis in das 20. Jahrhundert das Wiertshaus von Rauhenstein stand, ein größeres Eisenproduktionsareal mit mehr als sechs Ofenstandorten feststellen. Massive Schlackekonzentrationen und Holzklohleschichten sowie Ofenreste überliefern hier sowohl die Eisenerzverhüttung, als auch die Weiterverarbeitung in der Schmiede. Um einen Anhaltspunkt für das Alter der Produktion an dieser Stelle zu erhalten, wird Holzkolhle aus den Ofenstandorten zur Zeit mittels AMS-14C-Datierung bei Beta-Analytic in Miami beprobt. Außerdem wurden durch Georg Brütting (Dendroscan Bamberg/Ebermannstadt) von 20 Holzpfählen, die bei Baggerarbeiten an der Pegnitz im Bereich des ehem. Hofes Nr. 2 zum Vorschein gekommen waren, dendrochrolnoligsche Proben genommen, deren Ergebnisse demnächst erwartet werden.

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Die Einblicke in den Boden des ehemaligen Hammerstandorts Rauhenstein zeigen einmal mehr, welch großes und historisch bedeutendes Potential mittelalterliche Montanstandorte im Raum Auerbach-Sulzbach-Amberg bieten. Wir danken der N-Ergie Nürnberg und dem betreuenden Geoingenieurbüro Geoteam Naila für die gute, konstruktive und freundliche Zusammenarbeit und die Kostenübernahme der Datierungsproben.

Jetzt erhältlich: Erz, Feuer, Eisen

Im Verlag CULTURCON medien erschienen und ab sofort erhältlich:

Mathias Hensch: Erz – Feuer – Eisen. Eine kleine Geschichte des frühen Montanwesens in der mittleren Oberpfalz

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Klappentext:

Die Oberpfälzer Eisenerze bildeten seit dem frühen Mittelalter das wirtschaftliche Rückgrat der Region um die Bergstädte Amberg, Sulzbach und Auerbach. Hier lagen die wichtigsten Eisenerzvorkommen im heutigen Bayern, die während des Mittelalters und der frühen Neuzeit von europäischer Bedeutung waren. Die Ausbeutung von Eisenerz hat über viele Jahrhunderte Menschen, Landschaft und Naturraum der heutigen Oberpfalz nachhaltig geprägt und verändert. Über die Anfänge des mittelalterlichen Bergbaus und der Metallverarbeitung in diesem Raum war jedoch lange so gut wie nichts bekannt, denn Hinweise auf bergmännische Tätigkeit oder spezialisiertes Metallhandwerk fehlen in den spärlichen schriftlichen Zeugnissen bis zum späten 13. Jahrhundert. Dieser Band fasst in einer spannenden Synthese erstmals neu gewonnene Erkenntnisse der Archäologie und anderer historischer Disziplinen zum frühen Montanwesen leicht verständlich zusammen. Er gibt zugleich einen komprimierten Überblick über die wichtigsten Entwicklungen im Montanwesen der westlichen Oberpfalz bis in das 16. Jahrhundert.

Mathias Hensch, Erz – Feuer – Eisen. Eine kleine Geschichte des frühen Montanwesens in der mittleren Oberpfalz, CULTURCON medien, Berlin 2018, 112 Seiten, zahlreiche Farb- und Schwarz-Weiß-Abbildungen, 18,- €; ISBN 978-3-944068-81-7

 

Oberpfalz – Land des Eisens. Archäologische Begleitung der Dorferneuerung von Hütten bei Grafenwöhr

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Im Zuge der Dorferneuerung in Hütten (Stadt Grafenwöhr) haben wir gestern die Baggerarbeiten rund um die ehemalige, spätmittelaterliche Hammerkapelle St. Laurentius archäologisch begleitet. Schon 2016 gelang es hier, interessante Einblicke in die Montangeschichte des auf ein Hammer- und Hüttenwerk des späten 13. Jahrhunderts zurückgehenden Orts zu gewinnen.

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Das Hammerwerk in Hütten wird auch in der sog. Großen Hammereinung zwischen den Städten Amberg und Sulzbach sowie Nürnberger Hammerherren im Jahr 1387 genannt. Dieses Vertragswerk regelte nach der ersten Hammereinung von 1341 erstmals Fragen von Produktion und Handel im Sinne der beiden großen Bergstädte in größerem Umfang. Der „hamer zu Hütten“ gehörte damals einem Ulreich Pressater, der wie alle Hammerherren des Spätmittelalters erheblichen Reichtum erwirtschaften konnte.
Bei den gestrigen Oberbodenabträgen zeigte sich, dass das gesamte Gelände um die Kirche und wohl darüber hinaus massiv mit Abfällen der Eisenverhüttung aufgefüllt wurde. Das Bodenmaterial bestand ausschließlich aus Verhüttungs- und Weiterverarbeitungsschlacken, Schlackegrus, Ofenresten, Ascheresten und Holzkohle.

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Durch Keramikfunde lassen sich die oberen Bereiche dieser Auffüllungen vorsichtig in das spätere 17./18. Jahrhundert datieren. Unter den abertausenden Relikten der Verhüttung fanden sich auch große Bruchstücke von verschlackten Ofenwandungen aus gebranntem Lehm, darunter auch Wandungsstücke mit Abdrücken der Blasebalgdüsen, wie hier gezeigt. Die massiven Schlackeschichten überlagern offensichtlich ältere Pfosten- und Sandentnahmegruben, die ebenfalls Verhüttungsreste enthielten und aus der Frühzeit der Produktion im Spätmittelalter stammen könnten. 14C-Daten sollen hierzu noch genauere Hinweise erbringen.
Es ist beeindruckend und macht zugleich nachdenklich, mit welcher Intensität und Dynamik hier offensichtlich Erz verhüttet und Eisen produziert wurde und wie schwerwiegend der Mensch schon vor Jahrhunderten in den Siedlungs- und Naturraum eingegriffen hat. Die negativen Auswirkungen auf die Umwelt dürften erheblich gewesen sein.

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3D-Dokumentation mit Drohne auf der Burg Wolfsegg bei Regensburg

Für 2019 ist die Einrichtung eines neuen Burgenmuseums in der Burg Wolfsegg bei Regensburg in Vorbereitung. Mit der wissenschaftlich-inhaltlichen Beratung ist Mathias Hensch von der Schauhütte betreut.
Nun haben wir im Zuge einer kleinen archäologischen Notdokumentation am Fuße des Burgfelsens die 3D-Vermessung eines wohl im 14. Jahrhundert angelegten „Felsraums“ durchgeführt. An dieser Stelle stand im Spätmittelalter offenbar ein hölzernes Wirtschaftsgebäude, das den Fels als Raumwände und Auflager für die Dachkonstruktion nutzte. Hierzu wurde die Felsformation an vier Seiten senkrecht abgearbeitet. Damit ist dieser Felsraum ein schönes Beispiel dafür, wie geschickt der beengte Raum um den Burgfelsens für die Anlage von Wirtschaftsbautenim Mittelalter genutzt wurde.

Mit Hilfe hunderter Fotos unserer Drohne wird von Gerhard Gresik dabei ein 3D-Modell des Felsraums erstellt, das Dimension, Bearbeitungsdetails und Topographie in hochauflösender Fotoqualität errechnet. Dieses Modell wird dann als „3D-Flug-Animation“ in der neuen Ausstellung zu sehen sein.

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