Jetzt erhältlich: Erz, Feuer, Eisen

Im Verlag CULTURCON medien erschienen und ab sofort erhältlich:

Mathias Hensch: Erz – Feuer – Eisen. Eine kleine Geschichte des frühen Montanwesens in der mittleren Oberpfalz

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Klappentext:

Die Oberpfälzer Eisenerze bildeten seit dem frühen Mittelalter das wirtschaftliche Rückgrat der Region um die Bergstädte Amberg, Sulzbach und Auerbach. Hier lagen die wichtigsten Eisenerzvorkommen im heutigen Bayern, die während des Mittelalters und der frühen Neuzeit von europäischer Bedeutung waren. Die Ausbeutung von Eisenerz hat über viele Jahrhunderte Menschen, Landschaft und Naturraum der heutigen Oberpfalz nachhaltig geprägt und verändert. Über die Anfänge des mittelalterlichen Bergbaus und der Metallverarbeitung in diesem Raum war jedoch lange so gut wie nichts bekannt, denn Hinweise auf bergmännische Tätigkeit oder spezialisiertes Metallhandwerk fehlen in den spärlichen schriftlichen Zeugnissen bis zum späten 13. Jahrhundert. Dieser Band fasst in einer spannenden Synthese erstmals neu gewonnene Erkenntnisse der Archäologie und anderer historischer Disziplinen zum frühen Montanwesen leicht verständlich zusammen. Er gibt zugleich einen komprimierten Überblick über die wichtigsten Entwicklungen im Montanwesen der westlichen Oberpfalz bis in das 16. Jahrhundert.

Mathias Hensch, Erz – Feuer – Eisen. Eine kleine Geschichte des frühen Montanwesens in der mittleren Oberpfalz, CULTURCON medien, Berlin 2018, 112 Seiten, zahlreiche Farb- und Schwarz-Weiß-Abbildungen, 18,- €; ISBN 978-3-944068-81-7

 

Oberpfalz – Land des Eisens. Archäologische Begleitung der Dorferneuerung von Hütten bei Grafenwöhr

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Im Zuge der Dorferneuerung in Hütten (Stadt Grafenwöhr) haben wir gestern die Baggerarbeiten rund um die ehemalige, spätmittelaterliche Hammerkapelle St. Laurentius archäologisch begleitet. Schon 2016 gelang es hier, interessante Einblicke in die Montangeschichte des auf ein Hammer- und Hüttenwerk des späten 13. Jahrhunderts zurückgehenden Orts zu gewinnen.

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Das Hammerwerk in Hütten wird auch in der sog. Großen Hammereinung zwischen den Städten Amberg und Sulzbach sowie Nürnberger Hammerherren im Jahr 1387 genannt. Dieses Vertragswerk regelte nach der ersten Hammereinung von 1341 erstmals Fragen von Produktion und Handel im Sinne der beiden großen Bergstädte in größerem Umfang. Der „hamer zu Hütten“ gehörte damals einem Ulreich Pressater, der wie alle Hammerherren des Spätmittelalters erheblichen Reichtum erwirtschaften konnte.
Bei den gestrigen Oberbodenabträgen zeigte sich, dass das gesamte Gelände um die Kirche und wohl darüber hinaus massiv mit Abfällen der Eisenverhüttung aufgefüllt wurde. Das Bodenmaterial bestand ausschließlich aus Verhüttungs- und Weiterverarbeitungsschlacken, Schlackegrus, Ofenresten, Ascheresten und Holzkohle.

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Durch Keramikfunde lassen sich die oberen Bereiche dieser Auffüllungen vorsichtig in das spätere 17./18. Jahrhundert datieren. Unter den abertausenden Relikten der Verhüttung fanden sich auch große Bruchstücke von verschlackten Ofenwandungen aus gebranntem Lehm, darunter auch Wandungsstücke mit Abdrücken der Blasebalgdüsen, wie hier gezeigt. Die massiven Schlackeschichten überlagern offensichtlich ältere Pfosten- und Sandentnahmegruben, die ebenfalls Verhüttungsreste enthielten und aus der Frühzeit der Produktion im Spätmittelalter stammen könnten. 14C-Daten sollen hierzu noch genauere Hinweise erbringen.
Es ist beeindruckend und macht zugleich nachdenklich, mit welcher Intensität und Dynamik hier offensichtlich Erz verhüttet und Eisen produziert wurde und wie schwerwiegend der Mensch schon vor Jahrhunderten in den Siedlungs- und Naturraum eingegriffen hat. Die negativen Auswirkungen auf die Umwelt dürften erheblich gewesen sein.

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3D-Dokumentation mit Drohne auf der Burg Wolfsegg bei Regensburg

Für 2019 ist die Einrichtung eines neuen Burgenmuseums in der Burg Wolfsegg bei Regensburg in Vorbereitung. Mit der wissenschaftlich-inhaltlichen Beratung ist Mathias Hensch von der Schauhütte betreut.
Nun haben wir im Zuge einer kleinen archäologischen Notdokumentation am Fuße des Burgfelsens die 3D-Vermessung eines wohl im 14. Jahrhundert angelegten „Felsraums“ durchgeführt. An dieser Stelle stand im Spätmittelalter offenbar ein hölzernes Wirtschaftsgebäude, das den Fels als Raumwände und Auflager für die Dachkonstruktion nutzte. Hierzu wurde die Felsformation an vier Seiten senkrecht abgearbeitet. Damit ist dieser Felsraum ein schönes Beispiel dafür, wie geschickt der beengte Raum um den Burgfelsens für die Anlage von Wirtschaftsbautenim Mittelalter genutzt wurde.

Mit Hilfe hunderter Fotos unserer Drohne wird von Gerhard Gresik dabei ein 3D-Modell des Felsraums erstellt, das Dimension, Bearbeitungsdetails und Topographie in hochauflösender Fotoqualität errechnet. Dieses Modell wird dann als „3D-Flug-Animation“ in der neuen Ausstellung zu sehen sein.

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Buchankündigung: „Erz – Feuer – Eisen. Eine kleine Geschichte des frühen Montanwesens in der mittleren Oberpfalz“

Vorankündigung – demnächst im Buchhandel:
Mathias Hensch: „Erz – Feuer – Eisen. Eine kleine Geschichte des frühen Montanwesens in der mittleren Oberpfalz“ – erscheint im Verlag Culturcon Medien, Berlin. Eine grundlegende Lektüre zum mittelalterlichen Montanwesen in der Oberpfalz.

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Zum Inhalt: „Die Oberpfälzer Eisenerze bildeten seit dem frühen Mittelalter das wirtschaftliche Rückgrat der Region um die Bergstädte Amberg, Sulzbach und Auerbach. Hier lagen die wichtigsten Eisenerzvorkommen im heutigen Bayern, die während des Mittelalters und der frühen Neuzeit von europäischer Bedeutung waren. Obwohl die Ausbeutung von Eisenerz Menschen, Landschaft und Naturraum in der heutigen Oberpfalz nachhaltig geprägt hat, war lange Zeit kaum etwas über die Anfänge des mittelalterlichen Bergbaus und der Metallverarbeitung in diesem Raum bekannt – auch, weil Hinweise auf bergmännische Tätigkeit oder spezialisiertes Metallhandwerk in den spärlichen Schriftzeugnissen bis zum späten 13. Jahrhundert fehlen. Erstmals fasst dieses Buch daher neu gewonnene Erkenntnisse der Archäologie und anderer Disziplinen in einer spannenden Synthese zusammen. Der Band gibt einen komprimierten Überblick über die wichtigsten Entwicklungen im Montanwesen der westlichen Oberpfalz bis in das 16. Jahrhundert.“
Ca. 17,- €, ab September im Buchhandel erhältlich!

Hinweise zur Landschaftsgeschichte des Erlbachtals an der Alten Straße in Sulzbach

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Spannende Anhaltspunkte zur Landschaftsgeschichte am Erlbach bei Sulzbach…
Im Vorfeld des geplanten Neubaus der Stadtgärtnerei am Erlheimer Weg 2 in Sulzbach-Rosenberg wurden von uns im Auftrag der Stadt Sulzbach-Rosenberg einige Baggersondagen auf dem Gelände angelegt, da im Jahr 2004 in der Baugrube für den Bau eines westlich benachbarten Grundstück Erlheimer Weg 4 Siedlungsspuren des 8./9. Jahrhunderts festgestellt wurden. Die Sondagen sollten Klarheit erbringen, ob sich nördlich des Bachübergangs Erlheimer Weg-Alte Straße frühmittelalterliche Siedlungsspuren erhalten haben.

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In allen Sondageschnitten waren archäologisch-anthropogene Strukturen zu beobachten, die jedoch unterhalb der für die anstehende Baumaßnahme erforderlichen Niveaus lagen und somit nicht ausgegraben werden. Dennoch sollten die Sondagen auch historisch wichtige Anhaltspunkte liefern, so dass wir kleinräumig tiefer sondiert haben. Im gesamten Areal lagen mächtige Lehmablagerungen, die durch Hochwassereereignisse in der Erlbachaue entstanden sind. Im nördlichen Bereich in Richtung Erlheim konnten wir über geologischen Lehmschichten bereits im heutigen Grundwasserbereich ca. 3 Meter unterhalb des heutigen Niveaus eine dunkle, mit Holzkohle durchsetzte Schicht sowie einen ebenfalls mit Holzkohleteilchen durchsetzten möglichen „Pfostenbefund“ beobachten. Radiokarbondaten aus diesen Holzkohlen ergaben überraschenderweise eine Datierung von 8779 bis 8631 v. Chr., also in die frühe Mittelsteinzeit. Ob diese Schichten anthropogen (durch menschlichen Einfluss) entstanden sind, ist unklar, doch gibt der Befund einen eindrucksvollen Einblick in die geoarchäologische Entwicklung an dieser Stelle des Erlbachtals seit der Mittelsteinzeit.

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Über dieser mesolithischen Schicht lagen in allen Abschnitten weitere mächtige Lehmablagerungen (Kolluvien) des Erlbachs, der noch heute bei Hochwasserereignissen enorme Wassermengen mit sich führt. Diese kolluvialen Ablagerungen hatten eine Mächtigkeit von teilweise mehr als 2 Metern. Im südlichen Bereich konnten wir nahe am Erlheimer Weg Anhaltspunkte für extreme Hochwasserereignisse im Spätmittelalter und der früheren Neuzeit feststellen. Unmittelbar neben der Straße lag in etwa 1,7 Meter Tiefe ein durch Schwemmereignisse entstandenes Lehmpaket, das zahlreiche Siedlungsanzeiger wie Holzkohle, verziegelten Lehm, Keramik und vereinzelte Tierknochen enthielt. Die Datierung von Hozkohle ergab Kalenderalter von 1280 bis 1326 n. Chr. und 1343 bis 1394 n. Chr. Offenbar kam es also auch im 14. Jahrhundert zu enormen Lehmablagerungen in der Bachaue. In diesem Bereich wurde zudem der Rand eines künstlich in diese Lehmschicht eingegrabenen Teiches erfasst, dessen wohl ebenfalls durch Einschwemmung von Material des Bachs entstandene Verfüllung wiederum zahlreiche Siedlungsanzeiger enthielt. 14C-Daten aus dieser Verfüllung liegen in den Zeiträumen von 1297 bis 1373 n. Chr. und 1377 bis 1408 n. Chr. Somit dürfte dieser Teich nur kurze Zeit offen gewesen sein und bereits während des 14. Jahrhunderts nach und nach verlandet sein. Dies geschah offenbar ebenfalls durch Materialeinschwemmungen bei Hochwasserereignissen.

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Oberhalb dieser spätmittelalterlichen Lehmablagerungen wiederum schlossen sich weitere dicke Lehmpackungen an, die nun auch zahlreiche Holzreste wie Äste und Stöcke enthielten. Die 14C-Daten eines Astfragments aus diesen Schichten lieferte ein Datum von 1483 bis 1651 n. Chr. Somit hat es offenbar auch zu Beginn der Neuzeit massive Ablagerungsprozesse in der Erlbachaue gegeben.
Mit Ausnahme des mittelsteinzeitlichen Datums liegen alle Daten aus den Kolluvien im Bereich der als „Kleine Eiszeit“ bezeichneten Klimaverschlechterung ab dem 14. Jahrhundert, die in Mitteleuropa bis in das 18. Jahrhundert anhielt. Aus dem benachbarten Nürnberg sind beispielsweise für die Zeit zwischen 1300 und 1799 zahlreiche Hochwasserereignisse überliefert, darunter auch katastrophale Hochwässer in den Jahren 1342, 1413, 1452, 1501, 1551, 1595 und 1682.

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Die mächtigen Lehmkolluvien am Erlbach, die wir nun mit guten Gründen in das 14. bis 17. Jahrhundert datieren können, geben deutliche Anhaltspunkte für einen Zusammenhang zwischen Klimaverschlechterung und Hochwasserereignissen in diesem Zeitraum. Ein solcher historischer Kontext ist also aktueller denn je…

Wir danken der Stadt Sulzbach-Rosenberg für die Finanzierung der 14C-Datierungen!

(c) Bilder von oben nach unten: 1, 3, 4, 5: Schauhütte Archäologie; 2 Bayerische Landesvermessung.

Presse-Feedback zu unseren montangeschichtlichen Ergebnissen…

Es ist immer wieder schön, wenn die Medien über unsere Arbeit und unsere Ergebnisse berichten – allemal, wenn es um ein für die Oberpfalz so eminent wichtiges Thema wie die Montangeschichte geht. Lesen Sie den Beitrag von Harald Mohr im Onetz hier…Düse