Sonderbare Bestattungslagen bei Gräbern des 14. Jahrhunderts am Amberger Spital

Derzeit untersuchen wir die ältesten Gräber des spätmittelalterlichen Spitalfriedhofs im nördlichen Außenbereich der Spitalkirche. Dabei liegt rund sechs Meter nördlich der Kirche ein kleines Areal, in dem sich auf engem Raum auffallend viele Gräber befinden, in denen die Toten in von der Norm abweichenden Körperpositionen beigesetzt wurden. Darunter sind Seiten- und Hockerstellungen, Bauchlagen sowie Tote, die man geradezu zu kleinen Bündeln zusammengeschnürt hat. Hierzu gehört auch das hier gezeigte Grab. Die Verstorbene war in einer nur ca. 85 cm langen und 35 cm breiten Grube bestattet worden. Sie wurde in extrem zusammengeschnürter Haltung in das Grab gelegt. Dabei hatte man ihr die Beine derart stark nach oben gebogen, dass die Oberschenkelköpfe aus den Gelenkpfannen des Beckens luxiert wurden. Wir können uns durchaus vorstellen, dass es sich hierbei um eine Maßnahme gegen das „Wiedergehen“ der Toten gehandelt hat: Durch das Einschnüren bzw. Fesseln wollte man möglicherweise verhindern, dass die Verstorbene aus dem Grab heraussteigt und den Lebenden Schaden zufügen kann.
Die seltsamen Bestattungen scheinen zur gleichen Belegungsschicht zu gehören, wie die bereits vorgestellten Mehrfachgräber, bei denen wir einen Zusammenhang mit der großen Pest von 1349/1350 vermuten.

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