Der Lindhof – ursprüngliche Gerichtsstätte des mittelalterlichen Zentralorts Sulzbach?

Im herrschaftlichen und räumlichen Kontext zum Burgzentrum Sulzbach wurde sicherlich seit dem späten 8./9. Jahrhundert Recht gesprochen. Die überlieferte mittelalterliche Richtstätte von Sulzbach lag etwa einen Kilometer nordöstlich des Burgorts auf dem Galgenberg. Von hier aus hat man einen beeindruckenden Blick in alle Himmelsrichtungen. Die Richtstätte war somit über weite Entfernungen für jedermann sichtbar.

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Am östlichen Fuß des Galgenbergs liegt der Einzelhof Lindhof, der erstmals um 1350 als Linth bey Sulzbach in den schriftlichen Quellen genannt wird. Der Siedlungsname geht auf einen Flurnamen zurück, dem allein das Bestimmungswort althochdeutsch linta, „Linde“ zugrunde liegt. Dieser sprachgeschichtliche Befund ist in Hinblick auf die Lage des Hofs am Fuße des als mittelalterliche Richtstätte genutzten Bergs sicherlich von Bedeutung. Hier kann man nämlich durchaus einen deutlichen Hinweis auf eine alte Gerichtsstätte an einer Linde sehen, die in unmittelbarem räumlichem Zusammenhang mit der Richtstätte auf dem Gipfel des 483 m hohen Galgenbergs gestanden hat.

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Auch im mittelalterlichen Landgericht Sulzbach, das als Nachfolger älterer Rechtsbezirke angesehen werden kann, wurde wie üblich an Gerichtslinden im Freien Recht gesprochen, von denen heute noch die etwa 1000jährige sogenannte Kunigundenlinde in Kasberg bei Gräfenberg erhalten ist. Hier sprach der Sulzbacher Landrichter noch um 1360 Recht. Vom Lindhof aus hat man einen freien Blick auf den höchsten Punkt des Galgenbergs. Wie weit die Funktion des Bergs als Hinrichtungsstätte und damit auch eine hypothetische Gerichtsstätte am Platz des heutigen Lindenhof in das Mittelalter zurückreicht, lässt sich bei der bekannten Quellenlage nicht entscheiden. Für die Rechtsgeschichte des mittelalterlichen Zentralorts Sulzbach ist das Bezugspaar Lind(-hof)-Galgenberg sehr interessant. Archäologische Befunde könnten hierzu sicherlich weitere Erkenntnisse erbringen…

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