Ein renaissancezeitlicher „Schlossbau“ neben der Stadtburg von Tirschenreuth?

Lange haben wir nichts zum Projekt an der Hochwartstraße in Tirschenreuth verlauten lassen… Deshalb hier eine kleine Aktualisierung.
Nach Abschluss der Freilegungsarbeiten offenbarte sich uns zwischen Hochwartstraße und Regensburger Straße ein mächtiger Baukomplex, der sich ursprünglich auf einer Grundfläche von 25 x 25 m erstreckte und dessen Mauerwerk sich südlich des ehemaligen Polizeigebäudes noch bis zu 6 m Höhe erhalten hat. Der nördliche Teil des Bauwerks ist offenbar in großen Teilen im stehenden Gebäude an der Hochwartstraße erhalten. Die bis zu 1,8 m starken Außenmauern scheinen zunächst einen äußerst massiven, palas- oder wohnturmartigen Baukörper zu belegen, dessen äußeres Erscheinungsbild imposant gewesen sein muss. Nach Süden schloss sich eine bis zu 2 m starke Mauer der gleichen Bauphase an, die vielleicht eine Zugangssituation begrenzte.

Im Inneren des Bauwerks haben sich zudem Reste eines mächtigen Mauerblocks erhalten, bei dem es sich um den Unterbau einer Treppenturms handeln könnte. Wir sind bislang davon ausgegangen, dass dieser Mauerblock in einen Keller eingestellt wurde. Dies würde bedeuten, dass die Treppe erst ab dem ersten Obergeschoss ansetzte, das von der Stadtseite her zugleich das Erdgeschoss gewesen wäre, da der Bau in eine Hangsituation hineingestellt wurde. Nun scheint es aber auch plausibel, es sich bei den Außenmauern nicht ausschließlich um Gebäude-, sondern zum Teil um Umfassungsmauern eines Hofes gehandelt hat. Dann hätten wir einen kleinen Innenhof mit einem außen an einen Gebäudeflügel angesetzen, wohl polygonalen Treppenturm in Ecklage, da westlich vom Turmfundamentxc ein Gewölbeansatz den Innenraum eines Gebäudeflügels belegt.

24058759_1497086580345052_2037487762516539301_n
Luftbild des Gebäudekomplexes zwischen Hochwartstraße und Regensburger Straße; (c) Gerhard Gresik – Schauhütte Archäologie

Schriftliche oder bildliche Quellen zu diesem Bauwerk sind nicht bekannt, doch scheint die Lage westlich der mittelalterlichen Stadtburg und des Burggrabens einen Zusammenhang mit dieser nahezulegen.
Nachdem wir zunächst an ein Bauwerk des 14. Jahrhunderts dachten, ließen letzte Funde und der als Treppenturmfundament zu deutende Mauerblock im Inneren Zweifel an dieser Datierung aufkommen. Mittlerweile tendieren wir daher zu einer deutlich jüngeren Datierung in die Renaissance. Radiokarbondaten sollen hier etwas mehr Licht ins Dunkel bringen.
Wie auch immer, der Befund ist sehr beeindruckend. Die Gebäudestrukturen werden in die Baulickeiten der hier neu entstehenden Außenstelle der Ostbayerischen Technischen Hochschule integriert un
d bleiben somit erlebbar. 

23916547_1497086623678381_4955303518503054186_o
Blick auf die Ostmauer des Gebäudekomplexes bei den Freilegungsarbeiten im November 2016

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s