Ein hochmittelalterlicher Saalbau außerhalb der ältesten Kernsiedlung von Amberg

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Wie so oft in der Archäologie – die richtig guten Sachen kommen am Ende einer Grabung… Nachdem wir mehr als 100 Gräber im heutigen Durchfahrtsbereich neben dem Chor der Spitalkirche ausgegraben haben, erschienen zu unserem großen Erstaunen etwa sechs Meter östlich der Kirche die gut erhaltenen Reste eines steinernen Saalbaus mit Souterraingeschoss, das deutlich älter ist als das spätmittelalterliche Spital. Das Bauwerk gehört zu einem für das Hochmittellalter durchaus charakteristischen herrschaftlichen Bautyp, bei dem das Untergeschoss halbkellerartig in den Boden eingegraben wurde. Dies hatte den Vorteil, dass man im untersten Geschoss eine große Deckenhöhe erreichen konnte, ohne das erste Geschoss überproportional in die Höhe bauen zu müssen. Statisch war es dann kein Problem, noch ein zusätzliches Obergschoss auf den eingetieften Saal aufzusetzen. Derartige Bauformen finden sich vor allem auf Burgen, aber auch auf Königs- und Herzogspfalzen sowie auf Herrenhöfen.
Das Gebäude neben der späteren Spitalkirche war etwa neun Meter breit und könnte bis zu zwanzig Meter lang gewesen sein. Erschlossen wurde es durch einen innen liegenden Treppenabgang an der Südostecke. In diesem Zugangshals fanden wir u.a. einen mächtigen geschmiedeten Schlüssel und den schweren Eisenbeschlag eines mächtigen Türblattes, die zur ursprünglichen Eingangssituation gehört haben dürften.
Wir wissen, dass das Gebäude um 1300 abgebrochen wurde, was an einen Zusammenhang mit der Schenkung des Geländes durch Kaiser Ludwig den Bayern 1317 denken lässt.

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Zur Erbauungszeit können wir momentan nur Mutmaßungen anstellen. Die Mauerwerkstechnik erscheint auf den ersten Blick älter als 13. Jahrhundert, da sich weder die Mauerstärke von 60 Zentimetern (drei Schuh) noch das kleinteilige Lesesteinmauerwerk mit romanischen Steinbauten des 13. Jahrhunderts recht verbinden lassen. Möglicherweise haben wir hier einen archäologischen Beleg für den Sitz, der für das 12. Jahrhundert schriftlich überlieferten Ministerialen der Sulzbacher Grafen in Amberg vor uns. Um die Mitte des 12. Jahrhunderts treffen wir in den Quellen auf einen Reginmarus de Ammeberch im Gefolge der Sulzbacher Gräfin Mathilde. Um die Erbauungszeit näher zu bestimmen, werden wir u.a. Holzreste aus dem Mörtel des Gebäudes zur 14C-Datierung einschicken.
Wie dem auch sei, der Befund überliefert uns mit Sicherheit die herrschaftliche Nutzung des späteren Spitalgeländes und der südlich und östlich anschließenden Bereich der heutigen Bahnhofstraße vor 1300. Für die Amberger Stadtgeschichte und die Territorialgeschichte der Oberpfaslz sind das ganz ganz wichtige neue Erkenntnisse.

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