Der hochmittelalterliche Herrenhof auf dem ehemaligen Amberger Spitalgelände – Eine Gründung der Markgrafen von Hohenburg?

Bevor wir den „Amberg-Blog“ beschließen, wollen wir hier doch noch ein kurzes Update zum romanischen Saalbau posten.

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Mittlerweile liegen nämlich die 14C-Daten vor, die uns etwas mehr über die Erbauungszeit dieses bemerkenswerten Steingebäude verraten können. Die Daten stammen aus Holzkohle, die im oberen Bereich einer Lehmstickung eingebettet waren, die als Feuchtigkeitsisolierung unter dem Fußboden des Souterraingeschosses eingebracht wurde. Es ist gut denkbar, dass die Holzkohleteilchen absichtlich beigemengt wurden, da Holzkohle hydrophil ist und Feuchtigkeit anzieht und speichert.
Die vorliegenden Daten gehören danach in den Zeitraum von 1169 bis 1270, wobei die größten Wahrscheinlichkeiten den Zeitraum von 1215 bis 1260 abdecken.

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Diese Datierung lässt verschiedene Möglichkeiten einer historischen Deutung zu. Da die Sulzbacher Grafen, die im 12. Jahrhundert in Amberg einen Ministerialensitz hatten, bereits 1188 ausstarben, dürfte eine solche Zuweisung eher unwahrscheinlich sein. Anders sieht dies für die überlieferten Grundherren in Amberg im 13. Jahrhundert aus. So hatte etwa Markgraf Berthold von Hohenburg die „civitas“ („Stadt“) Amberg seit 1241 in seinem Besitz. Demnach kämen die Hohenburger Grafen durchaus als Gründer des von uns lokalisierten Herrensitzes in Frage. Das Gleiche gilt jedoch auch für die Wittelsbacher Herzöge, denn Herzog Ludwig II. von Bayern erhielt Amberg im Jahr 1269 als Lehen. Denkbar ist demnach sowohl, dass die Wittelsbacher einen bereits unter den Grafen von Hohenburg angelegten Herrenhof östlich der Stadt übernahmen, als auch dessen Gründung um 1269 durch die Wittelsbacher. Da sich im Fundmaterial jedoch auch zahlreiche Keramikfunde der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts befinden, spräche durchaus einiges für die Anlage der Herrenhofs auf dem späteren Spitalgelände um 1241 durch die Hohenburger Markgrafen.

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Diesbezüglich ist auch ein Grab von besonderem Interesse, das sicherlich nicht zum jüngeren Spitalfriedhof gehört, sondern älter als die Spitalgründung sein dürfte. In diesem war ein ca. 25-jähriger Mann bestattet worden, der von auffallend grazilem Körperbau war und möglicherweise an einem kariesbedingten Abszess im Oberkiefer verstarb (anthropologische und paläopathologische Bestimmung durch unsere „Hausanthropologin“ Eva Kropf). Sein Grab lag unmittelbar südöstlich des Eingangs in den hochmittelalterlichen Saalbau und könnte aufgrund seiner schichtgebundenen Lage mit dem Herrenhof in Verbindung zu bringen sein. Auch hier sollen Radiokarobdatierungen zur Datierung dieses Grabes mehr Klarheit erbringen. Möglicherweise ist diese Bestattung auch der erste indirekte Hinweis auf die unter der heutigen Spitalkirche vermuteten 1311 genannten St. Johannis-Kirche, die im 13. Jahrhundert vielleicht den sakralen Mittelpunkt des Herrenhofs bildete.

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Eine wissenschaftliche Auswertung der Grabungen könnte zu diesen wesentlichen Aspekten der Amberger Stadtgeschichte sicherlich einen wichtigen Beitrag leisten.

Grabungsfotos (c): Schauhütte Archäologie, Schönlind.

 

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