St. Nikolaus in Etzelwang – Neues aus einer alten Kirche

Etzelwangs Pfarrkirche St. Nikolaus gehört zu den am frühesten in der schriftlichen Überlieferung der westlichen Oberpfalz erwähnten Sakralbauten. Ein Kirchenbau in „Ezziliuuwangen“ wird im sog. Gundekarianum Bischofs Gundekar von Eichstätt für 1057 gennant. Gundekar weihte in diesem Jahr zahlreiche Kirchen in seiner Diözese. Unklar ist jedoch, ob der in Etzelwang erwähnte Sakralbau die erste Kirche am Ort oder ein Neubau am Platz einer Vorgängerkirche war.

Der Ortsname gehört zu den in der westlichen Oberpfalz auffallend häufigen Toponymen mit dem Grundwort „-wang“ (germ. “wanga“, ahd. “wang“ = „Wiese“), die ansosnten sehr unüblich für den nordbayerischen Raum sind. Dieser Ortsnamenstyp, der besonders häufig im alamannischen Siedlungsraum zu finden ist, könnte auf elbgermanischen (vielleicht juthungischen?) Siedlungseinfluss in der heutigen westlichen Oberpfalz hinweisen und somit ein sehr hohes Alter der Siedlung überliefern. Der Name bedeutet demnach ursprünglich „zur Wiese des Azzilo“.

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Die Kirche St.Nikolaus liegt ursprünglich am Nordrand des Dorfes in Südhanglage, etwa 90 m oberhalb des von Osten nach Westen fließenden Etzelbachs, der etwa 400 m südwestlich von Etzelwang mit dem Reinbach zusammenfließt. Die ursprüngliche Randlage der Kirche, die noch auf der Uraufnahme der Zeit um 1850 auffällt, lässt sich aufgrund der baulichen Verdichtung des modernen Ortes nach Norden heute nicht mehr auf den ersten Blick erkennen.

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Der heute stehende Bau der Nikolauskirche präsentiert sich als schlichter, rund 26,0 m langer und 12,8 m breiter Saalbau mit Westturm und einem an den Saal anschließenden, zu 5/8 geschlossenen Chorraum. Im Süden befindet sich ein neuzeitlicher Sakristeianbau, im Nordwesten ein ebenfalls neuzeitlicher Anbau mit Aufbahrungsraum.
Der Kernbau stammt im Wesentlichen aus der Zeit von 1717 bis 1734, jedoch ist ersichtlich, dass die barocke Kirche wesentliche Teile mittelalterlicher Vorgängerbauten mitnutzt. Nach Dehio (Handbuch der deutschen Kunstdenmkmäler) soll der Turm aus der Zeit von 1762 bis 1765 stammen. Schon ein flüchtiger Blick ins Innere der unteren zwei Turmgeschosse zeigt jedoch, dass die unteren Teile des Turms in romanischer Zeit, wahrscheinlich während des 12. Jahrhunderts errichtet wurden. Es ist möglich, jedoch nicht sicher, dass das Ergeschoss des Turms erst nachträglich eingewölbt wurde, was dann aber auch noch in romanischer Zeit geschah. Sowohl im Gewölbemauerwerk, als auch im Mauerwerk der Turmwände haben sich originale Hölzer, u.a. Gerüsthölzer und Reste der Schalbretter erhalten, die sich für naturwissenschaftliche Datierungsmethoden wie Dendrochronologie und Radiokarbondatierung eignen.

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Bei genauerem Hinsehen stellt man zudem fest, dass große Teile der sichtbaren Westwand der stehenden Kirche älter als der Turm sind, denn die beiden unteren Geschosse des Turms sind stumpf an diese Westwand angesetzt, die nach hinten hinter die Nord- und Südwand des Turms durchläuft. Diese Wand bildet ursprünglich also die Westwand einer älteren Kirche. An der ehemaligen Außenseite hat sich bis in das erste Obergeschoss großflächig ein mittelalterlicher Außenputz erhalten. In einigen Ausbrüchen der Mauerschale zeigt sich, dass es sich hierbei offenbar um den originalen Putz aus der ersten Bauphase der Westwand handelt. Da die zu bewertenden Mauerdetails im unteren Geschoss für eine Datierung der ältesten Bauteile des Turms in das 12. Jahrhunderts sprechen, muss die stehende Westwand in ihren unteren Bereichen dementsprechend älter sein. Es ist also durchaus möglich, dass Teile des stehenden Kirchenbaus noch zu der 1057 geweihten Kirche gehören.

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Zahlreiche Holzkohlepartikel im ältesten Putzmörtel dieser Wand würden sich für eine Datierung mit Hilfe der 14C-Methode anbieten. Es wäre sehr wünschenswert, wenn die angesprochenen Datierungsmethoden nun im Zuge der derzeit laufenden Sanierung nach Rücksprache mit der Kirchengemeinde durchgeführt werden könnten. Dies weäre ohne Zweifel für die Geschichte der Pfarrei und die Kirchengeschichte der westlichen Oberpfalz von Bedeutung. Die Beobachtungen zeigen zudem sehr schön, dass bei Bodeneingriffen im Inneren der Kirche mit weitreichenden Aussagen zur Baugeschichte der Vorgängerkirchen in Etzelwang zu rechnen ist.

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