Hinweise zur Landschaftsgeschichte des Erlbachtals an der Alten Straße in Sulzbach

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Spannende Anhaltspunkte zur Landschaftsgeschichte am Erlbach bei Sulzbach…
Im Vorfeld des geplanten Neubaus der Stadtgärtnerei am Erlheimer Weg 2 in Sulzbach-Rosenberg wurden von uns im Auftrag der Stadt Sulzbach-Rosenberg einige Baggersondagen auf dem Gelände angelegt, da im Jahr 2004 in der Baugrube für den Bau eines westlich benachbarten Grundstück Erlheimer Weg 4 Siedlungsspuren des 8./9. Jahrhunderts festgestellt wurden. Die Sondagen sollten Klarheit erbringen, ob sich nördlich des Bachübergangs Erlheimer Weg-Alte Straße frühmittelalterliche Siedlungsspuren erhalten haben.

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In allen Sondageschnitten waren archäologisch-anthropogene Strukturen zu beobachten, die jedoch unterhalb der für die anstehende Baumaßnahme erforderlichen Niveaus lagen und somit nicht ausgegraben werden. Dennoch sollten die Sondagen auch historisch wichtige Anhaltspunkte liefern, so dass wir kleinräumig tiefer sondiert haben. Im gesamten Areal lagen mächtige Lehmablagerungen, die durch Hochwassereereignisse in der Erlbachaue entstanden sind. Im nördlichen Bereich in Richtung Erlheim konnten wir über geologischen Lehmschichten bereits im heutigen Grundwasserbereich ca. 3 Meter unterhalb des heutigen Niveaus eine dunkle, mit Holzkohle durchsetzte Schicht sowie einen ebenfalls mit Holzkohleteilchen durchsetzten möglichen „Pfostenbefund“ beobachten. Radiokarbondaten aus diesen Holzkohlen ergaben überraschenderweise eine Datierung von 8779 bis 8631 v. Chr., also in die frühe Mittelsteinzeit. Ob diese Schichten anthropogen (durch menschlichen Einfluss) entstanden sind, ist unklar, doch gibt der Befund einen eindrucksvollen Einblick in die geoarchäologische Entwicklung an dieser Stelle des Erlbachtals seit der Mittelsteinzeit.

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Über dieser mesolithischen Schicht lagen in allen Abschnitten weitere mächtige Lehmablagerungen (Kolluvien) des Erlbachs, der noch heute bei Hochwasserereignissen enorme Wassermengen mit sich führt. Diese kolluvialen Ablagerungen hatten eine Mächtigkeit von teilweise mehr als 2 Metern. Im südlichen Bereich konnten wir nahe am Erlheimer Weg Anhaltspunkte für extreme Hochwasserereignisse im Spätmittelalter und der früheren Neuzeit feststellen. Unmittelbar neben der Straße lag in etwa 1,7 Meter Tiefe ein durch Schwemmereignisse entstandenes Lehmpaket, das zahlreiche Siedlungsanzeiger wie Holzkohle, verziegelten Lehm, Keramik und vereinzelte Tierknochen enthielt. Die Datierung von Hozkohle ergab Kalenderalter von 1280 bis 1326 n. Chr. und 1343 bis 1394 n. Chr. Offenbar kam es also auch im 14. Jahrhundert zu enormen Lehmablagerungen in der Bachaue. In diesem Bereich wurde zudem der Rand eines künstlich in diese Lehmschicht eingegrabenen Teiches erfasst, dessen wohl ebenfalls durch Einschwemmung von Material des Bachs entstandene Verfüllung wiederum zahlreiche Siedlungsanzeiger enthielt. 14C-Daten aus dieser Verfüllung liegen in den Zeiträumen von 1297 bis 1373 n. Chr. und 1377 bis 1408 n. Chr. Somit dürfte dieser Teich nur kurze Zeit offen gewesen sein und bereits während des 14. Jahrhunderts nach und nach verlandet sein. Dies geschah offenbar ebenfalls durch Materialeinschwemmungen bei Hochwasserereignissen.

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Oberhalb dieser spätmittelalterlichen Lehmablagerungen wiederum schlossen sich weitere dicke Lehmpackungen an, die nun auch zahlreiche Holzreste wie Äste und Stöcke enthielten. Die 14C-Daten eines Astfragments aus diesen Schichten lieferte ein Datum von 1483 bis 1651 n. Chr. Somit hat es offenbar auch zu Beginn der Neuzeit massive Ablagerungsprozesse in der Erlbachaue gegeben.
Mit Ausnahme des mittelsteinzeitlichen Datums liegen alle Daten aus den Kolluvien im Bereich der als „Kleine Eiszeit“ bezeichneten Klimaverschlechterung ab dem 14. Jahrhundert, die in Mitteleuropa bis in das 18. Jahrhundert anhielt. Aus dem benachbarten Nürnberg sind beispielsweise für die Zeit zwischen 1300 und 1799 zahlreiche Hochwasserereignisse überliefert, darunter auch katastrophale Hochwässer in den Jahren 1342, 1413, 1452, 1501, 1551, 1595 und 1682.

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Die mächtigen Lehmkolluvien am Erlbach, die wir nun mit guten Gründen in das 14. bis 17. Jahrhundert datieren können, geben deutliche Anhaltspunkte für einen Zusammenhang zwischen Klimaverschlechterung und Hochwasserereignissen in diesem Zeitraum. Ein solcher historischer Kontext ist also aktueller denn je…

Wir danken der Stadt Sulzbach-Rosenberg für die Finanzierung der 14C-Datierungen!

(c) Bilder von oben nach unten: 1, 3, 4, 5: Schauhütte Archäologie; 2 Bayerische Landesvermessung.

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