Oberpfalz – Land des Eisens. Archäologische Begleitung der Dorferneuerung von Hütten bei Grafenwöhr

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Im Zuge der Dorferneuerung in Hütten (Stadt Grafenwöhr) haben wir gestern die Baggerarbeiten rund um die ehemalige, spätmittelaterliche Hammerkapelle St. Laurentius archäologisch begleitet. Schon 2016 gelang es hier, interessante Einblicke in die Montangeschichte des auf ein Hammer- und Hüttenwerk des späten 13. Jahrhunderts zurückgehenden Orts zu gewinnen.

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Das Hammerwerk in Hütten wird auch in der sog. Großen Hammereinung zwischen den Städten Amberg und Sulzbach sowie Nürnberger Hammerherren im Jahr 1387 genannt. Dieses Vertragswerk regelte nach der ersten Hammereinung von 1341 erstmals Fragen von Produktion und Handel im Sinne der beiden großen Bergstädte in größerem Umfang. Der „hamer zu Hütten“ gehörte damals einem Ulreich Pressater, der wie alle Hammerherren des Spätmittelalters erheblichen Reichtum erwirtschaften konnte.
Bei den gestrigen Oberbodenabträgen zeigte sich, dass das gesamte Gelände um die Kirche und wohl darüber hinaus massiv mit Abfällen der Eisenverhüttung aufgefüllt wurde. Das Bodenmaterial bestand ausschließlich aus Verhüttungs- und Weiterverarbeitungsschlacken, Schlackegrus, Ofenresten, Ascheresten und Holzkohle.

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Durch Keramikfunde lassen sich die oberen Bereiche dieser Auffüllungen vorsichtig in das spätere 17./18. Jahrhundert datieren. Unter den abertausenden Relikten der Verhüttung fanden sich auch große Bruchstücke von verschlackten Ofenwandungen aus gebranntem Lehm, darunter auch Wandungsstücke mit Abdrücken der Blasebalgdüsen, wie hier gezeigt. Die massiven Schlackeschichten überlagern offensichtlich ältere Pfosten- und Sandentnahmegruben, die ebenfalls Verhüttungsreste enthielten und aus der Frühzeit der Produktion im Spätmittelalter stammen könnten. 14C-Daten sollen hierzu noch genauere Hinweise erbringen.
Es ist beeindruckend und macht zugleich nachdenklich, mit welcher Intensität und Dynamik hier offensichtlich Erz verhüttet und Eisen produziert wurde und wie schwerwiegend der Mensch schon vor Jahrhunderten in den Siedlungs- und Naturraum eingegriffen hat. Die negativen Auswirkungen auf die Umwelt dürften erheblich gewesen sein.

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