Das Haus der mittelalterlichen Hammerherren von Rauhenstein

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Im Zuge von bodenkundlichen Untersuchungen durch den Nürnberger Energiekonzern N-Ergie haben wir in den vergangenen drei Wochen begleitende archäologische Untersuchungen im Bereich des in den 1970er Jahren abgesiedelten Dorfs Rauhenstein bei Auerbach (Lkr. Amberg-Sulzbach) durchgeführt.
Rauhensteins Ersterwähnung im Jahr 1410 steht bereits mit der Verhüttung von Eisenerzen und der Weiterverarbeitung von Eisen in Zusammenhang. In diesem Jahr erlaubte Pfalzgraf Johann von Bayern Heinrich Stromeyer, einem Auerbacher Bürger, „bei der Stockwiese unterhalb der herzoglichen Hamerstad genant Segmül“ gegen eine jährliche Abgabe von 4 Gulden einen neuen Hammer zu errichten 1427 wurde dieses Hammerwerk an den Nürnberger Bürger Endres Prünster veräußert. Zwischen 1451 und 1488 sind mehrfache Besitzerwechsel des Hammerwerks in Rauhenstein überliefert.
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts ging das Hammerwerk in Besitz des nah gelegenen Benediktinerklosters Michelfeld über, um schließlich 1580 an die Stadt Auerbach zu kommen. In einem Auerbacher Salbuch von 1610 existiert eine interessante Beschreibung des Hammergutes Rauhenstein. Hier werden u.a. das Hammerhaus mit Hütte und Stadel genannt, das von einem Graben umegeben war, ein Wirtshaus mit einem Felsenkeller, ein Schmiedehaus „neben der Brücke“, ein Kohlenmesserhaus mit Garten, ein Stadel des Blechmeisters, ein Bauernhaus mit Hof, Stadel und ´Söldengütl´ auf dem Berg, eine Mühle mit einer Stallung sowie ein Hirtenhaus oberhalb des Wirtshauses.

Während des 30jährigen Krieges wurde das Hammergut 1626 zerstört. Ab 1650 wurden Hammerwerk und Herrenhaus von der Stadt Auerbach wieder aufgebaut. 1710 wird der Hammer Rauhenstein dann jedoch als öd liegend (verlassen) bezeichnet. Ab 1732 erfolgte die Wiederinbetriebnahme, was zugleich mit derErrichtung eines barocken Hammerschlosses an der Pegnitz durch das Michelfelder Kloster einherging (Quellennachweis: http://www.weber-rudolf.de/rauhenstein.htm).

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Bei unseren Untersuchungen konnten wir die gut erhaltenen Reste eines ca. 15 x 10 m großen spätmittelalterlichen Steingebäudes untersuchen. Der zumindest in den unteren Mauerteilen in qualitätvoller Quaderbauweise errichtete Steinbau stand südlichöstlich des barocken Hammerschlosses, deutlich vom Pegnitzlauf abgerückt im Bereich des ehemaligen Hofs Nr. 3. Nachträglich wurde wahrscheinlich im 16. Jahrhundert ein tonnengewölbter Keller in das Gebäude eingebaut. Aufgrund der qualitätvollen Steinbauweise und der vom Flusslauf separierten Lage des Gebäudes liegt die Vermutung nahe, dass wir hier das Hammerherrenhaus des frühen 15. Jahrhunderts erfasst haben. Zur schriftlichen Überlieferung passt der archäologische Befund, dass dieses Gebäude im 18. Jahrhundert planmäßig abgetragen wurde. Dies geschah also womöglich beim Bau des neuen, barocken Hammerschlosses, das bis 1987 stand.

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Mit einiger Wahrscheinlichkeit ist dieses Gebäude auf einer schematischen Federzeichnung von 1522 dargestellt, dass den Hammer Rauhenstein mit seinen wichtigsten Gebäuden zeigt. Links der Pegnitz steht hier als einziges Gebäude ein breit gelagerter Baukörper (wahrscheinlich) mit Vollwalmdach und einem Eingang in der Mitte der Traufseite.

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Ältere Fundamentreste unterhalb des von uns untersuchten Gebäudes belegen zudem eine steinerne Vorgängerbebauung an gleicher Stelle, die wir jedoch nicht weiter untersuchen konnten, da hier keine Bodeneingriffe vorgenommen werden sollen. Allerdings zeigen zahlreiche im älteren Fundament verbaute Verhüttungsschlacken eine Eisenproduktion an diesem Ort bereits zur Zeit der Errichtung dieses älteren Vorgängerbaus.

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Weiter nordöstlich konnten wir außerdem auf der ehemaligen Hofstelle Nr.1, auf der bis in das 20. Jahrhundert das Wiertshaus von Rauhenstein stand, ein größeres Eisenproduktionsareal mit mehr als sechs Ofenstandorten feststellen. Massive Schlackekonzentrationen und Holzklohleschichten sowie Ofenreste überliefern hier sowohl die Eisenerzverhüttung, als auch die Weiterverarbeitung in der Schmiede. Um einen Anhaltspunkt für das Alter der Produktion an dieser Stelle zu erhalten, wird Holzkolhle aus den Ofenstandorten zur Zeit mittels AMS-14C-Datierung bei Beta-Analytic in Miami beprobt. Außerdem wurden durch Georg Brütting (Dendroscan Bamberg/Ebermannstadt) von 20 Holzpfählen, die bei Baggerarbeiten an der Pegnitz im Bereich des ehem. Hofes Nr. 2 zum Vorschein gekommen waren, dendrochrolnoligsche Proben genommen, deren Ergebnisse demnächst erwartet werden.

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Die Einblicke in den Boden des ehemaligen Hammerstandorts Rauhenstein zeigen einmal mehr, welch großes und historisch bedeutendes Potential mittelalterliche Montanstandorte im Raum Auerbach-Sulzbach-Amberg bieten. Wir danken der N-Ergie Nürnberg und dem betreuenden Geoingenieurbüro Geoteam Naila für die gute, konstruktive und freundliche Zusammenarbeit und die Kostenübernahme der Datierungsproben.

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