Fund des Tages – Ambergs barocker Hirsch

In dem im späten 18. Jahrhundert zugeschütteten spätmittelalterlichen Keller, der bereits kurz vorgestellt wurde, kam heute ein sehr schöner Fund zum Vorschein: Ein nur wenige Zentimeter großer, aus Horn geschnitzter, röhrender Hirsch… leider sind Beine und Geweih abgebrochen, dennoch erstaunt die Feinheit der Schnitzerei, die Auge, Ohr und Maul sowie die Proportionen genau darstellt. Die Rückseite der kleinen Figur ist glatt geschliffen und poliert. Bislang wissen wir nicht, wozu der Hirsch einstmals gehörte. Für ein Spiezeug ist das Stück zu filigran gearbeitet. Möglicherweise war er Teil einer größeren Darstellungsszene, die vielleicht ein Möbel, ein Kästchen oder auch eine Uhr geschmückt haben könnte. Wer hat weitere Vorschläge?

Hirsch_AZ

Wie auch immer, ein sehr schöner Fund, über den sich Finder Zoltán Botha ebenso wie das ganze Team freut!

Foto: Anne Vogl, Amberger Zeitung

Sekt oder Selters im Amberger Spital des 18. Jahrhunderts

In der vergangenen Woche haben wir mit der vorerst letzten Teilfläche am Amberger Spital begonnen und es ist auch hier trotz zahlreicher Leitungssstörungen erstaunlich viel archäologische Substanz erhalten. Beginnen möchten wir den Blog in diesem Jahr mit einem vergleichsweise jungen und „unscheinbaren“ Fund.
Ein Gebäude aus dem 14. Jahrhundert unmittelbar neben dem Chor der Kirche, bei dem es sich um ein Torhaus zum Spital handeln könnte, wurde im ausgehenden 18. Jahrhundert abgebrochen. Zu dieser Zeit schüttete man auch einen unter diesem Gebäude liegenden Kellerraum zu. In diesem finden sich unzählige Funde aus dem 18. Jahrhundert, in erster Linie Keramik.
Unter diesen Keramikfunden sind auch zahlreiche Steinzeugscherben von frühen Mineralwasserflaschen. Mineralwasser wurde bereits seit dem späten 16. Jahrhundert in Flaschen verhandelt. Aber erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurden diese aus Steinzeug hergestellt. Ab dem 18. Jahrhundert wurde es auch üblich, diese Flaschen mit einem Herstellungsstempel zu kennzeichnen, der zugleich den Flascheninhalt bezeichnete. Solche Steinzeugflaschen waren Massenware und Einwegflaschen. Eine erneute Abfüllung durch den Hersteller wäre zu kostspielig gewesen. Vom 18. bis in das 20. Jahrhundert stand der Name „Selters“ – ein kleiner Ort im Westerwald, als Synonym für Mineral- und Heilwasser. Noch heute wird Mineralwasser im Volksmund oftmals als lediglich als „Selterswasser“ bezeichnet.
Die hier abgebildete Scherbe aus unserer Grabung zeigt die Stempelung „SELTERS“ und „CT“, was für die Herrschaft „Churtrier“ steht. Außerdem wurden viele Flaschen nicht allein mit einem Inhaltsstempel versehen, sondern tragen zusätzlich noch einen Stempel, der den Herstellungsort angab. Dieser ist bei unserer Scherbe jedoch nur fragmentarisch erhalten. Die Mineralwasserflaschen des 18. Jahrhunderts wurden zum großen Teil im Westerwald gefertigt. Das ist auch bei der Amberger Scherbe der Fall, wie der graue Steinzeugton und die blaue Anflugglasur des ovalen Stempelrahmens zeigen.

Selters_AZ

RPB_8838

Seit dem 16. Jahrhundert kommt der Genuss von Mineralwasser in Deutschland mehr und mehr in Mode, auch und vor allem um Heilung oder Linderung mannigfaltiger Beschwerden zu erreichen. Insofern passen die vielen Fragmente von Mineralwasserflaschen besonders gut zum Fundinventar eines frühneuzeitlichen Spitals.

 

Foto oben: Andreas Ascherl, Amberger Zeitung, Foto unten: Mathis Hensch, Schauhütte Archäologie

Ein Videobeitrag zu unseren Ausgrabungen am ehemaligen Spital in Amberg

Die Medienplattform des Neuen Tags, Oberpfalz Medien, hat einen Videobeitrag zu unseren laufenden Ausgrabungen am ehemaligen Spital in Amberg online gestellt. Sie können ansehen, wenn Sie hier klicken.

onetz

Ein interessantes Dossier zu den großen Bauprojekten in der Stadt Amberg, in dem auch die Problematik der archäologischen Hinterlassenschaften zum Thema gemacht wird, finden Sie beim Klick auf diesen Link.

Neue Radiokarbondatierungen aus Grubenmeilern in Kümmersbruck

Kümmersbruck, Siedlerstraße.
Im September vergangenen Jahres konnten wir im Bereich einer geplanten Zufahrtsstraße des Neubaugebiets „Siedlerstraße“ in Kümmerbruck (Lkr. Amberg-Sulzbach) zwei Grubenmeiler zur Herstellung von Holzkohle untersuchen. Bereits damals vermuteten wir aufgrund verschiedener Anhaltspunkte einen Zusammenhang dieser Befunde mit frühmittelalterlichen Montantätigkeiten, die 2014 und 2015 im unteren Abschnitt des Krummbachtals untersucht wurden.

26229446_1532253180161725_4355409335516620176_n
Nun liegen die 14C-Datierungen aus Holzkohlen der beiden Meilerbefunde vor, die am Klaus-Tschira-Archäometriezentrum beprobt und dankenswerterweise vom Bayerischen Landseamt für Denkmalpflege finanziert wurden. Alle vier gemessenen Proben erbrachten frühmittelalterliche Datierungen, die das 5./6., 6./7. und 7./8. und 7. bis 9. Jahrhundert abdecken. Die Vermutung erhärtet sich also, dass das gesamte Krummbachtal und dessen Mündungsbereich in die Vils mit den hier vorhandenen oberflächennahen Kreideerzvorkommen in der späteren Merowinger- und der frühen Karolingerzeit ein intentsiv genutztes Montanrevier war. Montanarchäologische und bodendenkmalpflegerische Belange sollten daher in diesem durch expanierende Baugebiete geprägten Kleinraum in Zukunft bei allen Planungen unbedingt mitberücksichtigt werden, denn u.a. hier liegen die Anfänge des „Ruhrgebiets des Mittelalters“, wie die Oberpfalz in Bergbaukreisen auch genannt wird!

26233494_1532253470161696_4126679614560652974_o

Ein renaissancezeitlicher „Schlossbau“ neben der Stadtburg von Tirschenreuth?

Lange haben wir nichts zum Projekt an der Hochwartstraße in Tirschenreuth verlauten lassen… Deshalb hier eine kleine Aktualisierung.
Nach Abschluss der Freilegungsarbeiten offenbarte sich uns zwischen Hochwartstraße und Regensburger Straße ein mächtiger Baukomplex, der sich ursprünglich auf einer Grundfläche von 25 x 25 m erstreckte und dessen Mauerwerk sich südlich des ehemaligen Polizeigebäudes noch bis zu 6 m Höhe erhalten hat. Der nördliche Teil des Bauwerks ist offenbar in großen Teilen im stehenden Gebäude an der Hochwartstraße erhalten. Die bis zu 1,8 m starken Außenmauern scheinen zunächst einen äußerst massiven, palas- oder wohnturmartigen Baukörper zu belegen, dessen äußeres Erscheinungsbild imposant gewesen sein muss. Nach Süden schloss sich eine bis zu 2 m starke Mauer der gleichen Bauphase an, die vielleicht eine Zugangssituation begrenzte.

Im Inneren des Bauwerks haben sich zudem Reste eines mächtigen Mauerblocks erhalten, bei dem es sich um den Unterbau einer Treppenturms handeln könnte. Wir sind bislang davon ausgegangen, dass dieser Mauerblock in einen Keller eingestellt wurde. Dies würde bedeuten, dass die Treppe erst ab dem ersten Obergeschoss ansetzte, das von der Stadtseite her zugleich das Erdgeschoss gewesen wäre, da der Bau in eine Hangsituation hineingestellt wurde. Nun scheint es aber auch plausibel, es sich bei den Außenmauern nicht ausschließlich um Gebäude-, sondern zum Teil um Umfassungsmauern eines Hofes gehandelt hat. Dann hätten wir einen kleinen Innenhof mit einem außen an einen Gebäudeflügel angesetzen, wohl polygonalen Treppenturm in Ecklage, da westlich vom Turmfundamentxc ein Gewölbeansatz den Innenraum eines Gebäudeflügels belegt.

24058759_1497086580345052_2037487762516539301_n
Luftbild des Gebäudekomplexes zwischen Hochwartstraße und Regensburger Straße; (c) Gerhard Gresik – Schauhütte Archäologie

Schriftliche oder bildliche Quellen zu diesem Bauwerk sind nicht bekannt, doch scheint die Lage westlich der mittelalterlichen Stadtburg und des Burggrabens einen Zusammenhang mit dieser nahezulegen.
Nachdem wir zunächst an ein Bauwerk des 14. Jahrhunderts dachten, ließen letzte Funde und der als Treppenturmfundament zu deutende Mauerblock im Inneren Zweifel an dieser Datierung aufkommen. Mittlerweile tendieren wir daher zu einer deutlich jüngeren Datierung in die Renaissance. Radiokarbondaten sollen hier etwas mehr Licht ins Dunkel bringen.
Wie auch immer, der Befund ist sehr beeindruckend. Die Gebäudestrukturen werden in die Baulickeiten der hier neu entstehenden Außenstelle der Ostbayerischen Technischen Hochschule integriert un
d bleiben somit erlebbar. 

23916547_1497086623678381_4955303518503054186_o
Blick auf die Ostmauer des Gebäudekomplexes bei den Freilegungsarbeiten im November 2016

Archäologischer Vortrag zur laufenden Grabung am Amberger Spital im Rahmen des Symposiums „700 Jahre Bürgerspitalstiftung Amberg“

Im Rahmen des Symposiums „700 Jahre Bürgerspitalstiftung Amberg“ wird es am 2. Dezember 2017, um 14 Uhr im Großen Rathaussaal der Stadt Amberg u.a. auch einen archäologischen Vortrag geben: „Aktuelle Ausgrabungen auf dem Gelände des Amberger Spitals Hl. Geist – Eine Zeitreise durch drei Jahrtausende“ von Dr. Mathias Hensch

23518833_1487269931326717_5331237870148046619_n
Einladung zur Veranstaltung am 2.12.2017 im Großen Rathaussaal der Stadt Amberg

Im Vorfeld der geplanten Neubebauung finden seit dem Sommer 2016 archäologische Ausgrabungen auf dem Gelände des 1317 gegründeten Amberger Spitals statt. Die bisher gewonnenen Erkenntnisse ermöglichen einen tiefen und bislang völlig unbekannten Einblick in die Siedlungs- und Stadtgeschichte von der frühen Eisenzeit bis in das späte Mittelalter. Sie liefern erstmals auch konkrete Anhaltspunkte zum tatsächlichen Alter der Siedlung Ammenberc und zudem hoch spannende Details zum mittelalterlichen Spital, seinen Bewohnern sowie der mittelalterlichen Vornutzung des Geländes. D Der Vortrag bietet erstmals eine Zusammenfassung der wichtigsten Funde und Befunde aus den laufenden Untersuchungen.

Hier das gesamte Programm:

23632137_1487270187993358_1077283364096100478_o
Das Programm des Symposiums „700 Jahre Bürgerspitalstiftung Amberg“