Archäologischer Vortrag zur laufenden Grabung am Amberger Spital im Rahmen des Symposiums „700 Jahre Bürgerspitalstiftung Amberg“

Im Rahmen des Symposiums „700 Jahre Bürgerspitalstiftung Amberg“ wird es am 2. Dezember 2017, um 14 Uhr im Großen Rathaussaal der Stadt Amberg u.a. auch einen archäologischen Vortrag geben: „Aktuelle Ausgrabungen auf dem Gelände des Amberger Spitals Hl. Geist – Eine Zeitreise durch drei Jahrtausende“ von Dr. Mathias Hensch

23518833_1487269931326717_5331237870148046619_n
Einladung zur Veranstaltung am 2.12.2017 im Großen Rathaussaal der Stadt Amberg

Im Vorfeld der geplanten Neubebauung finden seit dem Sommer 2016 archäologische Ausgrabungen auf dem Gelände des 1317 gegründeten Amberger Spitals statt. Die bisher gewonnenen Erkenntnisse ermöglichen einen tiefen und bislang völlig unbekannten Einblick in die Siedlungs- und Stadtgeschichte von der frühen Eisenzeit bis in das späte Mittelalter. Sie liefern erstmals auch konkrete Anhaltspunkte zum tatsächlichen Alter der Siedlung Ammenberc und zudem hoch spannende Details zum mittelalterlichen Spital, seinen Bewohnern sowie der mittelalterlichen Vornutzung des Geländes. D Der Vortrag bietet erstmals eine Zusammenfassung der wichtigsten Funde und Befunde aus den laufenden Untersuchungen.

Hier das gesamte Programm:

23632137_1487270187993358_1077283364096100478_o
Das Programm des Symposiums „700 Jahre Bürgerspitalstiftung Amberg“

Eine von fünf Mehrfachbestattungen des mittleren 14. Jahrhunderts am Amberger Spital

Nachdem bereits der Regionalsender Oberpfalz TV über diesen Befund berichtet hat, möchten wir hier noch kurz einige Anmerkungen zu dem aktuellen Grabbefund neben der Amberger Spitalkirche machen. Das Grab 498 gehört zu einer Gruppe von mindestens fünf Mehrfachbestattungen (wir haben auf unserer Facebookseite ausführlich darüber berichtet) und den besprochenen merkwürdigen Einzelgräbern, bei denen wir einen Zusammenhang mit der für um 1350 überlieferten ersten großen Pestwelle des späten Mittelalters in Deutschland für sehr wahrscheinlich halten.
In diesem Grab liegen zwei erwachsene Männer und vier Jugendliche bzw. Kinder begraben. Die Toten wurden in eine, mit nur 1,7 Meter Länge und 78 Zentimeter Breite sehr kleine Grabgrube übereinander gelegt – sie wurden defintiv nicht in die Grube hineingeschmissen. Aufgrund der Enge der Grube wurden sie jedoch in zum Teil extrem unnatürlicher, geradezu „verbogener“ Körperhaltung dicht übereinander niedergelegt. Allein vier Mal liegen die Toten mit dem Gesicht nach unten, den Oberkörper auf den Bauch gedreht. Auch die im Einzelgrab links daneben liegende Frau wurde in einer Bauch-Seitenlage bestattet. Ein Begräbnis in Bauchlage mit dem Gesicht zum Boden gilt im christlichen Mittelalter eigentlich als dogmatisch verboten.

23405679_1479595838760793_7313694941569022426_o

Durch die zahlreichen ungewöhnlichen Grabbefunde auf engem Raum zwischen Spitalkirche und dem mittelalterlichen Spitalbau können wir also auf eine extreme Ausnahmesitution schließen, in der sich die Gruppe der Bestattenden befunden haben muss. Da die seltsamen Bestattungen die ältesten Gräber in diesem Areal sind und sich zudem Reste einer älteren profanen Vornutzung des Areals aus dem späten 13. Jahrhundert erhalten haben, besteht aus archäologischer Sicht kein Zweifel an einer Datierung relativ kurz nach 1317, dem Zeitpunkt der Gründung des Amberger Spitals. Offenbar benötigte man zusätzlichen Platz für die zahlreichen, in kurzer Zeit anfallenden Gräber, so dass man sich entschloss, den Bereich zwischen dem (von uns 2016 ausgegrabenen) Spitalbau von ca. 1317 und der Kirche erstmalig als Friedhof zu nutzen.

23244065_1479595942094116_1592998360892890147_n

Die Wahrscheinlichkeit, dass es hier eine Verbindung zur Pest-Pandemie des mittleren 14. Jahrhunderts gibt, bei der wahrscheinlich in einigen Teilen Europas weite Teile des öffentlichen Lebens zusammenbrachen, halten wir für sehr hoch.
Vielleicht regen die Befunde aber auch dazu an, einmal darüber nachzudenken, wie gut es uns trotz aller Unsicherheiten der Moderne heute geht und wie wenig selbstverständlich Vieles von dem ist, was wir als Bürger eines der reichsten Länder der Welt heute als oftmals selbstverständlich erachten…

Sonderbare Bestattungslagen bei Gräbern des 14. Jahrhunderts am Amberger Spital

Derzeit untersuchen wir die ältesten Gräber des spätmittelalterlichen Spitalfriedhofs im nördlichen Außenbereich der Spitalkirche. Dabei liegt rund sechs Meter nördlich der Kirche ein kleines Areal, in dem sich auf engem Raum auffallend viele Gräber befinden, in denen die Toten in von der Norm abweichenden Körperpositionen beigesetzt wurden. Darunter sind Seiten- und Hockerstellungen, Bauchlagen sowie Tote, die man geradezu zu kleinen Bündeln zusammengeschnürt hat. Hierzu gehört auch das hier gezeigte Grab. Die Verstorbene war in einer nur ca. 85 cm langen und 35 cm breiten Grube bestattet worden. Sie wurde in extrem zusammengeschnürter Haltung in das Grab gelegt. Dabei hatte man ihr die Beine derart stark nach oben gebogen, dass die Oberschenkelköpfe aus den Gelenkpfannen des Beckens luxiert wurden. Wir können uns durchaus vorstellen, dass es sich hierbei um eine Maßnahme gegen das „Wiedergehen“ der Toten gehandelt hat: Durch das Einschnüren bzw. Fesseln wollte man möglicherweise verhindern, dass die Verstorbene aus dem Grab heraussteigt und den Lebenden Schaden zufügen kann.
Die seltsamen Bestattungen scheinen zur gleichen Belegungsschicht zu gehören, wie die bereits vorgestellten Mehrfachgräber, bei denen wir einen Zusammenhang mit der großen Pest von 1349/1350 vermuten.

IMGP8936

Nabburg, Grabung westlicher Zwingerweg: Ein konstruktiver Beitrag zur friedlichen Drohnennutzung

Zur Freude der fleißigen Schauhüttler auf der Nabburger Grabung (siehe Bild Nr. 3) haben wir heute den Mauerabschnitt der Befestigung der karolingisch-ottonischen Nabepurg dreidimensional digital dokumentiert.

NB1

Hierbei kommt eine Drohne für die digitale Fotodokumentation zum Einsatz, die anschließend mit Hilfe spezieller 3D-Software (Structure from motion) eine fotorealistische, bewegeliche dreidimensionale Darstellung aller wesentlichen Befunde sowie des topographischen und baulichen Kontextes des archäologischen Befundes ermöglicht.

NB2

Diese Darstellungs- und Dokumentationsmethode bietet sich bei unserer Nabburger Grabung besonders an, da sie neben dem archäologischen Baubefund auch die an dieser Stelle stehende Stadtmauer und die Zwingermauer der frühneuzeitlichen Stadtbefestigung dreidimensional sicht- und erlebbar macht. Wir freuen uns schon auf das Ergebnis, wenn der Rechner die vielen Einzelbilder zusammengerechnet hat. Einen Eindruck vom Ergebnis werden wir hier zeigen…

NB3

Reste von frühen Grubenmeilern südlich des Krumbachs in Kümmersbruck

IMGP5275
In den letzten Tagen konnten wir im Bereich einer geplanten Straßenerschließung innerhalb eines Neubaugebiets an der Siedlerstraße in Kümmersbruck Reste von Grubenmeilern zur Holzkohleproduktion untersuchen. Die Befunde liegen südlich des Krumbachs am Übergang der Bachaue zur Hochterrasse über dem Bachlauf.

Mit einiger Wahrscheinlichkeit gehören die Meiler in frühmittelalterliche Zeit und dürften mit den bereits 2014 und 2015 entdeckten fast als „industriell“ zu bezeichnenden Eisenproduktionstätten des 8. und 9. Jahrhunderts n. Chr. am Bachweg und an der Vilsstraße in Verbindung stehen. Nach und nach gewinnen wir also einen immer detaillierteren und sehr faszinierenden Eindruck von Umfang und Intensität der karolingischen Eisenproduktion im „Ruhrgebiet des Mittelalters“ im Raum Amberg-Sulzbach. Wir sind begeistert!

Siedlerstraße

(c) Bildrechte: Bayerische Vermessungsverwaltung

Volltreffer: Die karolingische Befestigungsmauer der Nabepurc!

Nabburg, Grabung westlicher Zwingerweg – aktuelles Update Nr. 1: Volltreffer: Die karolingische Befestigungsmauer der Nabepurc!
Seit Anfang der Woche arbeiten wir parallel zur Amberger Grabung auch in Nabburg, wo wir seit 2006 immer wieder unglaublich tolle Befunde ans Tageslicht bringen konnten. Im Zuge von Baumaßnahmen wurden im Altstadtbereich mehrere archäologische Grabungsprojekte durchgeführt, die neben zahlreichen Siedlungsbefunden des Frühmittelalters an mehreren Stellen auch Reste der frühen Befestigung der Nabepurc erfassten. Die bis 2012 untersuchten Mauerabschnitte belegen, dass die ca. 6 ha große Nabburg bereits zur Zeit der Ersterwähnung 929 zumindest in Teilen massiv befestigt war. Der archäologische Befund legt dabei nahe, dass die Befestigung der Burgsiedlung sukzessive ab der Zeit Karls des Großen (um 800) bis in das 10. Jahrhundert hinein in Stein ausgebaut wurde und dabei ältere Holz-Erde-Stein-Befestigungen ablöste.

1

Bereits 2010 wurde von uns die frühmittelalterliche Mauer an zwei Stellen im westlichen Zwinger untersucht. Reichhaltiges Fundmaterial aus Nutzungs- und Siedlungsschichten und 14C-Daten belegen, dass die Befestigung in diesem Abschnitt während des 9. Jahrhunderts gestanden haben muss. Die Mauer überbaute in diesem Abschnitt außerdem beigabenführende Gräber der Zeit um 700 n. Chr.
Nun haben wir also diese karolingische Mauer seit Montag in voller Breite auf etwa 14 m Länge in unserer Grabungsfläche… Schon jetzt lässt sich erkennen, dass die Befestigung unmittelbar südlich unserer Grabung in einer starken Biegung in die stehende Stadtmauer einbindet, wo wir sie ja 2010 auch angetroffen hatten. Zudem scheint sich eine Zweiphasigkeit in der Befestigungsmauer erkennen zu lassen, die möglicherweise auf eine Repartur nach einem Brandereignis zurückzuführen ist. In den nächsten Wochen werden also die Möglichkeit haben, diesen einmaligen Befund ganz genau unter die Lupe zu nehmen und möglicherweise auch weitere Gräber des 2010 angeschnittenen frühmittelalterlichen Friedhofs zu untersuchen. die frühmittelalterliche Befestigung zeigt die große Bedeutung Nabburg bereits vor dem Jahr 1000 n. Chr.
Wer sich weitergehend über dieses Thema infomieren möchte, kann das mit diesen drei Links tun: LiteraturVideoblog 1Videoblog 2
Sicher ist auf jeden Fall: das wird richtig spannend – Wir halten Euch auf dem Laufenden!

2

Die Bergung des Büchleins und der anderen Funde aus Grab 350 am Amberger Spital

Um die Funde ohne weiteren Substanzverlust zerstörungsfrei zu bergen und ohne bei der Bergung wichtige Informationen zu verlieren, die nur unter Laborverhältnissen in einer archäologischen Restaurierungswerkstatt zu erhalten sind, haben wir den Teil des Holzsarges mit den Beigaben aus Grab 350 im Block geborgen.

1

Hierbei werden zunächst die umliegenden Erdschichten um den zu bergenden Bereich vorsichtig von allen Seiten abgegraben. Der so entstandene Block wird zunächst von allen Seiten mit Klarsichtfolie stabilisiert und anschließend mit Gipsbinden eingegipst. Nach dem Aushärten des Gipses wird der Erblock mit den an der Oberfläche freigelegten Funden dann durch sehr behutsames Einbringen von Stahlkellen von unten her vom darunterliegenden Erdreich getrennt. Danach kann der Erdblock dann sehr vorsichtig und mit vereinten Kräften angehoben und auf eine Trägerplatte aus Kunststoff gehoben werden. Hier kann er dann weiter stabilisiert und für den Transport vorbereitet und gesichert werden.

2

Bei unserem Fundensemble mit dem Büchlein und den anderen Funden ist die Bergung des rund 50 kg (!) schweren Erdblocks gut geglückt. Der Fundkomplex befindet sich bereits in den Restaurierungswerkstätten des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege in Regensburg… Jetzt sind die Retauratoren am Zuge!

3

4

5