Das Haus der mittelalterlichen Hammerherren von Rauhenstein

u1

Im Zuge von bodenkundlichen Untersuchungen durch den Nürnberger Energiekonzern N-Ergie haben wir in den vergangenen drei Wochen begleitende archäologische Untersuchungen im Bereich des in den 1970er Jahren abgesiedelten Dorfs Rauhenstein bei Auerbach (Lkr. Amberg-Sulzbach) durchgeführt.
Rauhensteins Ersterwähnung im Jahr 1410 steht bereits mit der Verhüttung von Eisenerzen und der Weiterverarbeitung von Eisen in Zusammenhang. In diesem Jahr erlaubte Pfalzgraf Johann von Bayern Heinrich Stromeyer, einem Auerbacher Bürger, „bei der Stockwiese unterhalb der herzoglichen Hamerstad genant Segmül“ gegen eine jährliche Abgabe von 4 Gulden einen neuen Hammer zu errichten 1427 wurde dieses Hammerwerk an den Nürnberger Bürger Endres Prünster veräußert. Zwischen 1451 und 1488 sind mehrfache Besitzerwechsel des Hammerwerks in Rauhenstein überliefert.
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts ging das Hammerwerk in Besitz des nah gelegenen Benediktinerklosters Michelfeld über, um schließlich 1580 an die Stadt Auerbach zu kommen. In einem Auerbacher Salbuch von 1610 existiert eine interessante Beschreibung des Hammergutes Rauhenstein. Hier werden u.a. das Hammerhaus mit Hütte und Stadel genannt, das von einem Graben umegeben war, ein Wirtshaus mit einem Felsenkeller, ein Schmiedehaus „neben der Brücke“, ein Kohlenmesserhaus mit Garten, ein Stadel des Blechmeisters, ein Bauernhaus mit Hof, Stadel und ´Söldengütl´ auf dem Berg, eine Mühle mit einer Stallung sowie ein Hirtenhaus oberhalb des Wirtshauses.

Während des 30jährigen Krieges wurde das Hammergut 1626 zerstört. Ab 1650 wurden Hammerwerk und Herrenhaus von der Stadt Auerbach wieder aufgebaut. 1710 wird der Hammer Rauhenstein dann jedoch als öd liegend (verlassen) bezeichnet. Ab 1732 erfolgte die Wiederinbetriebnahme, was zugleich mit derErrichtung eines barocken Hammerschlosses an der Pegnitz durch das Michelfelder Kloster einherging (Quellennachweis: http://www.weber-rudolf.de/rauhenstein.htm).

u5

Bei unseren Untersuchungen konnten wir die gut erhaltenen Reste eines ca. 15 x 10 m großen spätmittelalterlichen Steingebäudes untersuchen. Der zumindest in den unteren Mauerteilen in qualitätvoller Quaderbauweise errichtete Steinbau stand südlichöstlich des barocken Hammerschlosses, deutlich vom Pegnitzlauf abgerückt im Bereich des ehemaligen Hofs Nr. 3. Nachträglich wurde wahrscheinlich im 16. Jahrhundert ein tonnengewölbter Keller in das Gebäude eingebaut. Aufgrund der qualitätvollen Steinbauweise und der vom Flusslauf separierten Lage des Gebäudes liegt die Vermutung nahe, dass wir hier das Hammerherrenhaus des frühen 15. Jahrhunderts erfasst haben. Zur schriftlichen Überlieferung passt der archäologische Befund, dass dieses Gebäude im 18. Jahrhundert planmäßig abgetragen wurde. Dies geschah also womöglich beim Bau des neuen, barocken Hammerschlosses, das bis 1987 stand.

u2

u3

Mit einiger Wahrscheinlichkeit ist dieses Gebäude auf einer schematischen Federzeichnung von 1522 dargestellt, dass den Hammer Rauhenstein mit seinen wichtigsten Gebäuden zeigt. Links der Pegnitz steht hier als einziges Gebäude ein breit gelagerter Baukörper (wahrscheinlich) mit Vollwalmdach und einem Eingang in der Mitte der Traufseite.

Federzeichnung_gefüllt

UK_1

 

Ältere Fundamentreste unterhalb des von uns untersuchten Gebäudes belegen zudem eine steinerne Vorgängerbebauung an gleicher Stelle, die wir jedoch nicht weiter untersuchen konnten, da hier keine Bodeneingriffe vorgenommen werden sollen. Allerdings zeigen zahlreiche im älteren Fundament verbaute Verhüttungsschlacken eine Eisenproduktion an diesem Ort bereits zur Zeit der Errichtung dieses älteren Vorgängerbaus.

u4

Weiter nordöstlich konnten wir außerdem auf der ehemaligen Hofstelle Nr.1, auf der bis in das 20. Jahrhundert das Wiertshaus von Rauhenstein stand, ein größeres Eisenproduktionsareal mit mehr als sechs Ofenstandorten feststellen. Massive Schlackekonzentrationen und Holzklohleschichten sowie Ofenreste überliefern hier sowohl die Eisenerzverhüttung, als auch die Weiterverarbeitung in der Schmiede. Um einen Anhaltspunkt für das Alter der Produktion an dieser Stelle zu erhalten, wird Holzkolhle aus den Ofenstandorten zur Zeit mittels AMS-14C-Datierung bei Beta-Analytic in Miami beprobt. Außerdem wurden durch Georg Brütting (Dendroscan Bamberg/Ebermannstadt) von 20 Holzpfählen, die bei Baggerarbeiten an der Pegnitz im Bereich des ehem. Hofes Nr. 2 zum Vorschein gekommen waren, dendrochrolnoligsche Proben genommen, deren Ergebnisse demnächst erwartet werden.

u7

Die Einblicke in den Boden des ehemaligen Hammerstandorts Rauhenstein zeigen einmal mehr, welch großes und historisch bedeutendes Potential mittelalterliche Montanstandorte im Raum Auerbach-Sulzbach-Amberg bieten. Wir danken der N-Ergie Nürnberg und dem betreuenden Geoingenieurbüro Geoteam Naila für die gute, konstruktive und freundliche Zusammenarbeit und die Kostenübernahme der Datierungsproben.

Oberpfalz – Land des Eisens. Archäologische Begleitung der Dorferneuerung von Hütten bei Grafenwöhr

42627577_1840106262709747_8269851484250701824_o

Im Zuge der Dorferneuerung in Hütten (Stadt Grafenwöhr) haben wir gestern die Baggerarbeiten rund um die ehemalige, spätmittelaterliche Hammerkapelle St. Laurentius archäologisch begleitet. Schon 2016 gelang es hier, interessante Einblicke in die Montangeschichte des auf ein Hammer- und Hüttenwerk des späten 13. Jahrhunderts zurückgehenden Orts zu gewinnen.

42596826_1840107219376318_4253439450488504320_o

Das Hammerwerk in Hütten wird auch in der sog. Großen Hammereinung zwischen den Städten Amberg und Sulzbach sowie Nürnberger Hammerherren im Jahr 1387 genannt. Dieses Vertragswerk regelte nach der ersten Hammereinung von 1341 erstmals Fragen von Produktion und Handel im Sinne der beiden großen Bergstädte in größerem Umfang. Der „hamer zu Hütten“ gehörte damals einem Ulreich Pressater, der wie alle Hammerherren des Spätmittelalters erheblichen Reichtum erwirtschaften konnte.
Bei den gestrigen Oberbodenabträgen zeigte sich, dass das gesamte Gelände um die Kirche und wohl darüber hinaus massiv mit Abfällen der Eisenverhüttung aufgefüllt wurde. Das Bodenmaterial bestand ausschließlich aus Verhüttungs- und Weiterverarbeitungsschlacken, Schlackegrus, Ofenresten, Ascheresten und Holzkohle.

42537019_1840108249376215_6823604951940333568_o

Durch Keramikfunde lassen sich die oberen Bereiche dieser Auffüllungen vorsichtig in das spätere 17./18. Jahrhundert datieren. Unter den abertausenden Relikten der Verhüttung fanden sich auch große Bruchstücke von verschlackten Ofenwandungen aus gebranntem Lehm, darunter auch Wandungsstücke mit Abdrücken der Blasebalgdüsen, wie hier gezeigt. Die massiven Schlackeschichten überlagern offensichtlich ältere Pfosten- und Sandentnahmegruben, die ebenfalls Verhüttungsreste enthielten und aus der Frühzeit der Produktion im Spätmittelalter stammen könnten. 14C-Daten sollen hierzu noch genauere Hinweise erbringen.
Es ist beeindruckend und macht zugleich nachdenklich, mit welcher Intensität und Dynamik hier offensichtlich Erz verhüttet und Eisen produziert wurde und wie schwerwiegend der Mensch schon vor Jahrhunderten in den Siedlungs- und Naturraum eingegriffen hat. Die negativen Auswirkungen auf die Umwelt dürften erheblich gewesen sein.

42581022_1840108366042870_8806956527802908672_o

42476369_1840126452707728_5444693018521108480_o

42470458_1840108946042812_6244756438338502656_o

42563714_1840108919376148_1453665572918132736_o42526420_1840108889376151_541470551391076352_o42525462_1840118649375175_1924389319930281984_o42622446_1840119922708381_8967269515020730368_o

3D-Dokumentation mit Drohne auf der Burg Wolfsegg bei Regensburg

Für 2019 ist die Einrichtung eines neuen Burgenmuseums in der Burg Wolfsegg bei Regensburg in Vorbereitung. Mit der wissenschaftlich-inhaltlichen Beratung ist Mathias Hensch von der Schauhütte betreut.
Nun haben wir im Zuge einer kleinen archäologischen Notdokumentation am Fuße des Burgfelsens die 3D-Vermessung eines wohl im 14. Jahrhundert angelegten „Felsraums“ durchgeführt. An dieser Stelle stand im Spätmittelalter offenbar ein hölzernes Wirtschaftsgebäude, das den Fels als Raumwände und Auflager für die Dachkonstruktion nutzte. Hierzu wurde die Felsformation an vier Seiten senkrecht abgearbeitet. Damit ist dieser Felsraum ein schönes Beispiel dafür, wie geschickt der beengte Raum um den Burgfelsens für die Anlage von Wirtschaftsbautenim Mittelalter genutzt wurde.

Mit Hilfe hunderter Fotos unserer Drohne wird von Gerhard Gresik dabei ein 3D-Modell des Felsraums erstellt, das Dimension, Bearbeitungsdetails und Topographie in hochauflösender Fotoqualität errechnet. Dieses Modell wird dann als „3D-Flug-Animation“ in der neuen Ausstellung zu sehen sein.

40301860_1809660885754285_470660310345187328_o

Hinweise zur Landschaftsgeschichte des Erlbachtals an der Alten Straße in Sulzbach

36365866_1716444305075944_3302761766802423808_o

Spannende Anhaltspunkte zur Landschaftsgeschichte am Erlbach bei Sulzbach…
Im Vorfeld des geplanten Neubaus der Stadtgärtnerei am Erlheimer Weg 2 in Sulzbach-Rosenberg wurden von uns im Auftrag der Stadt Sulzbach-Rosenberg einige Baggersondagen auf dem Gelände angelegt, da im Jahr 2004 in der Baugrube für den Bau eines westlich benachbarten Grundstück Erlheimer Weg 4 Siedlungsspuren des 8./9. Jahrhunderts festgestellt wurden. Die Sondagen sollten Klarheit erbringen, ob sich nördlich des Bachübergangs Erlheimer Weg-Alte Straße frühmittelalterliche Siedlungsspuren erhalten haben.

36411833_1716450745075300_8945230036370194432_o

In allen Sondageschnitten waren archäologisch-anthropogene Strukturen zu beobachten, die jedoch unterhalb der für die anstehende Baumaßnahme erforderlichen Niveaus lagen und somit nicht ausgegraben werden. Dennoch sollten die Sondagen auch historisch wichtige Anhaltspunkte liefern, so dass wir kleinräumig tiefer sondiert haben. Im gesamten Areal lagen mächtige Lehmablagerungen, die durch Hochwassereereignisse in der Erlbachaue entstanden sind. Im nördlichen Bereich in Richtung Erlheim konnten wir über geologischen Lehmschichten bereits im heutigen Grundwasserbereich ca. 3 Meter unterhalb des heutigen Niveaus eine dunkle, mit Holzkohle durchsetzte Schicht sowie einen ebenfalls mit Holzkohleteilchen durchsetzten möglichen „Pfostenbefund“ beobachten. Radiokarbondaten aus diesen Holzkohlen ergaben überraschenderweise eine Datierung von 8779 bis 8631 v. Chr., also in die frühe Mittelsteinzeit. Ob diese Schichten anthropogen (durch menschlichen Einfluss) entstanden sind, ist unklar, doch gibt der Befund einen eindrucksvollen Einblick in die geoarchäologische Entwicklung an dieser Stelle des Erlbachtals seit der Mittelsteinzeit.

36423308_1716444265075948_1220062533616926720_o

Über dieser mesolithischen Schicht lagen in allen Abschnitten weitere mächtige Lehmablagerungen (Kolluvien) des Erlbachs, der noch heute bei Hochwasserereignissen enorme Wassermengen mit sich führt. Diese kolluvialen Ablagerungen hatten eine Mächtigkeit von teilweise mehr als 2 Metern. Im südlichen Bereich konnten wir nahe am Erlheimer Weg Anhaltspunkte für extreme Hochwasserereignisse im Spätmittelalter und der früheren Neuzeit feststellen. Unmittelbar neben der Straße lag in etwa 1,7 Meter Tiefe ein durch Schwemmereignisse entstandenes Lehmpaket, das zahlreiche Siedlungsanzeiger wie Holzkohle, verziegelten Lehm, Keramik und vereinzelte Tierknochen enthielt. Die Datierung von Hozkohle ergab Kalenderalter von 1280 bis 1326 n. Chr. und 1343 bis 1394 n. Chr. Offenbar kam es also auch im 14. Jahrhundert zu enormen Lehmablagerungen in der Bachaue. In diesem Bereich wurde zudem der Rand eines künstlich in diese Lehmschicht eingegrabenen Teiches erfasst, dessen wohl ebenfalls durch Einschwemmung von Material des Bachs entstandene Verfüllung wiederum zahlreiche Siedlungsanzeiger enthielt. 14C-Daten aus dieser Verfüllung liegen in den Zeiträumen von 1297 bis 1373 n. Chr. und 1377 bis 1408 n. Chr. Somit dürfte dieser Teich nur kurze Zeit offen gewesen sein und bereits während des 14. Jahrhunderts nach und nach verlandet sein. Dies geschah offenbar ebenfalls durch Materialeinschwemmungen bei Hochwasserereignissen.

36524108_1716444391742602_3562381007858434048_o

Oberhalb dieser spätmittelalterlichen Lehmablagerungen wiederum schlossen sich weitere dicke Lehmpackungen an, die nun auch zahlreiche Holzreste wie Äste und Stöcke enthielten. Die 14C-Daten eines Astfragments aus diesen Schichten lieferte ein Datum von 1483 bis 1651 n. Chr. Somit hat es offenbar auch zu Beginn der Neuzeit massive Ablagerungsprozesse in der Erlbachaue gegeben.
Mit Ausnahme des mittelsteinzeitlichen Datums liegen alle Daten aus den Kolluvien im Bereich der als „Kleine Eiszeit“ bezeichneten Klimaverschlechterung ab dem 14. Jahrhundert, die in Mitteleuropa bis in das 18. Jahrhundert anhielt. Aus dem benachbarten Nürnberg sind beispielsweise für die Zeit zwischen 1300 und 1799 zahlreiche Hochwasserereignisse überliefert, darunter auch katastrophale Hochwässer in den Jahren 1342, 1413, 1452, 1501, 1551, 1595 und 1682.

36335044_1716444291742612_7933026185959702528_o

Die mächtigen Lehmkolluvien am Erlbach, die wir nun mit guten Gründen in das 14. bis 17. Jahrhundert datieren können, geben deutliche Anhaltspunkte für einen Zusammenhang zwischen Klimaverschlechterung und Hochwasserereignissen in diesem Zeitraum. Ein solcher historischer Kontext ist also aktueller denn je…

Wir danken der Stadt Sulzbach-Rosenberg für die Finanzierung der 14C-Datierungen!

(c) Bilder von oben nach unten: 1, 3, 4, 5: Schauhütte Archäologie; 2 Bayerische Landesvermessung.

Presse-Feedback zu unseren montangeschichtlichen Ergebnissen…

Es ist immer wieder schön, wenn die Medien über unsere Arbeit und unsere Ergebnisse berichten – allemal, wenn es um ein für die Oberpfalz so eminent wichtiges Thema wie die Montangeschichte geht. Lesen Sie den Beitrag von Harald Mohr im Onetz hier…Düse

Der Grabstein des Kümmersbrucker Schmiedemeisters aus dem späten 8. Jahrhundert?

Vor längerer Zeit haben wir damals noch auf unserer leider gehackten Webseite http://www.schauhuette.de ausführlich über die frühmittelalterlichen Männergräber inmitten des karolingerzeitlichen Schmiedeareals am Bachweg in Kümmersbruck berichtet.

34156941_1681128145274227_2646682104766660608_n

Nach der archäologischen Situation und den 14C-Datierungen gehören die Gräber am Kümmersbrucker Bachweg wahrscheinlich in die zweite Hälfte des 8. Jahrhunderts. Da wir aus archäologischer Sicht wissen, das zu dieser Zeit die Produktion an diesem Platz begonnen haben muss, ist es nicht auszuschließen, dass beide Männer wichtige Funktionen innerhalb der karolingerzeitlichen Schmiedewerkstätten bekleidet haben.

34321412_1681128301940878_581621262883749888_o

Eine solche Vermutung wird durch die anthropologische Untersuchung Steve Zäuners gestützt. Von keltischen, germanischen, merowinger- und wikingerzeitlichen Bestattungsplätzen kennen wir zahlreiche Gräber, in denen einem Schmied seine Werkzeugausstattung als Beigabe mit in das Grab gegeben wurde. Die Zeit, aus der die beiden Kümmersbrucker Gärber stammen, das 8. Jahrhundert, war in der heutigen Oberpfalz eine Zeit religiöser und sozialer Umbrüche, in der die Bevölkerung zwar nicht mehr vollständig heidnisch, doch längst noch nicht frei von althergebrachten Glaubensvorstellungen war. Da besonders die Sitte, den Toten Gegenstände für das Leben im Jenseits mitzugeben, als heidnisch und somit unchristlich empfunden wurde, verschwindet diese im Laufe des 8. Jahrhunderts mehr und mehr. Was also tun, wenn man aufgrund kanonischer Vorschriften dem verdienten Schmiedemeister kein Werkzeug mehr mitgeben darf? Wenn die Schmiedewerkstatt also nicht in das Grab des toten Meisters gelegt werden darf, war es dann vielleicht (noch) möglich, dass das der tote Meister zu seiner Schmiedewerkstatt kam und nachfolgenden Schmiedemeistern durch seine Anwesenheit zur Seite stehen konnte?
Aktuell gilt unser Augenmerk einem Fund, den wir einige Meter westlich des bemerkenswerten Steinpackungsgrab eines etwa 50- bis 70-jährigen Mannes (Bilder 1 und 2) machen konnten und der in Zusammenhang mit diesem Grab stehen könnte. Hier lag innerhalb einer Schwemmschicht, die sich wohl durch Sedimentablagerungen bei Hochwässern des Krumbachs abgelagert hat, ein außergewöhnlicher 0,8 x 0,45 m großer Stein (Bild 3). Schon das Material ist ungewöhnlich, denn es handelt sich um Granit, der in der näheren Umgebung von Kümmersbruck nicht vorkommt, wohl aber im Oberpfälzer Wald. Es handelt sich also um einen Importstein.

34181416_1681128465274195_4799574628420812800_o

Zunächst dachten wir an den Unterlegstein einer Handmühle, doch ist diese These nach genauerer Analyse des Fundes sicher nicht zu halten. Besondere Aufmerksamkeit muss nun jedoch der ungewöhnlichen Form des Steins gelten. Noch ist unklar, ob sie (auch) das Ergebnis einer anthropogenen Bearbeitung ist. Eine Expertise zur Frage nach einer Oberflächenbearbeitung von Menschenhand steht noch aus, aber seine Form lässt ohne Frage sofort an einen Grabstein denken. Dies wird umso deutlicher, wenn man den Stein in einer Art „Rekonstruktion“ aufstellt, wie dies auf Bild 4 und 5 zu sehen ist.

34134746_1681128855274156_8421551683355541504_n

34136640_1681128895274152_8385047201528676352_n

Bei dem unmittelbarem räumlichen Kontext des Fundes zum benachbarten Steinpackungsgrab ist es also nicht unwahrscheinlich, dass wir hier den Grabstein des Mannes im Steinpackungsgrab des 8. Jahrhunderts entdeckt haben. Dieser wäre dann im Laufe der letzten 1250 Jahre einige Meter nach Westen „verschleppt“ worden, was nichts Ungewöhnliches wäre. Auch wenn es vorerst eine Hypothese ist, so scheint dieser Deutungsansatz doch gut begründbar und beeindruckend zugleich.
Frühmittelalterliche Grabsteine sind selten. Berühmte Funde sind u.a. der sog. Bertichilde-Grabstein und der sog. Aiberga-Grabstein des 6. bis 7. Jahrhunderts aus Kempten am Rhein (Rheinland-Pfalz), die jedoch beide mit lateinischen Inschriften versehen sind und wichtige Zeugnisse des frühmittelalterlichen Christentums bei den Rheinfranken darstellen.
Wenngleich der Kümmersbrucker Fund keine Inschrift trägt, ist er doch in seinem Fundkontext mindestens ebenso faszinierend und hat zweifelsohne etwas „mysthisches“…

St. Nikolaus in Etzelwang – Neues aus einer alten Kirche

Etzelwangs Pfarrkirche St. Nikolaus gehört zu den am frühesten in der schriftlichen Überlieferung der westlichen Oberpfalz erwähnten Sakralbauten. Ein Kirchenbau in „Ezziliuuwangen“ wird im sog. Gundekarianum Bischofs Gundekar von Eichstätt für 1057 gennant. Gundekar weihte in diesem Jahr zahlreiche Kirchen in seiner Diözese. Unklar ist jedoch, ob der in Etzelwang erwähnte Sakralbau die erste Kirche am Ort oder ein Neubau am Platz einer Vorgängerkirche war.

Der Ortsname gehört zu den in der westlichen Oberpfalz auffallend häufigen Toponymen mit dem Grundwort „-wang“ (germ. “wanga“, ahd. “wang“ = „Wiese“), die ansosnten sehr unüblich für den nordbayerischen Raum sind. Dieser Ortsnamenstyp, der besonders häufig im alamannischen Siedlungsraum zu finden ist, könnte auf elbgermanischen (vielleicht juthungischen?) Siedlungseinfluss in der heutigen westlichen Oberpfalz hinweisen und somit ein sehr hohes Alter der Siedlung überliefern. Der Name bedeutet demnach ursprünglich „zur Wiese des Azzilo“.

34087337_1679898365397205_2690463390769348608_o

Die Kirche St.Nikolaus liegt ursprünglich am Nordrand des Dorfes in Südhanglage, etwa 90 m oberhalb des von Osten nach Westen fließenden Etzelbachs, der etwa 400 m südwestlich von Etzelwang mit dem Reinbach zusammenfließt. Die ursprüngliche Randlage der Kirche, die noch auf der Uraufnahme der Zeit um 1850 auffällt, lässt sich aufgrund der baulichen Verdichtung des modernen Ortes nach Norden heute nicht mehr auf den ersten Blick erkennen.

33924073_1679893868730988_6139011465882894336_o

Der heute stehende Bau der Nikolauskirche präsentiert sich als schlichter, rund 26,0 m langer und 12,8 m breiter Saalbau mit Westturm und einem an den Saal anschließenden, zu 5/8 geschlossenen Chorraum. Im Süden befindet sich ein neuzeitlicher Sakristeianbau, im Nordwesten ein ebenfalls neuzeitlicher Anbau mit Aufbahrungsraum.
Der Kernbau stammt im Wesentlichen aus der Zeit von 1717 bis 1734, jedoch ist ersichtlich, dass die barocke Kirche wesentliche Teile mittelalterlicher Vorgängerbauten mitnutzt. Nach Dehio (Handbuch der deutschen Kunstdenmkmäler) soll der Turm aus der Zeit von 1762 bis 1765 stammen. Schon ein flüchtiger Blick ins Innere der unteren zwei Turmgeschosse zeigt jedoch, dass die unteren Teile des Turms in romanischer Zeit, wahrscheinlich während des 12. Jahrhunderts errichtet wurden. Es ist möglich, jedoch nicht sicher, dass das Ergeschoss des Turms erst nachträglich eingewölbt wurde, was dann aber auch noch in romanischer Zeit geschah. Sowohl im Gewölbemauerwerk, als auch im Mauerwerk der Turmwände haben sich originale Hölzer, u.a. Gerüsthölzer und Reste der Schalbretter erhalten, die sich für naturwissenschaftliche Datierungsmethoden wie Dendrochronologie und Radiokarbondatierung eignen.

34069083_1679897492063959_3353426515286032384_n

34124935_1679897615397280_2906291660671418368_o

34268599_1679897885397253_432654827642683392_o

Bei genauerem Hinsehen stellt man zudem fest, dass große Teile der sichtbaren Westwand der stehenden Kirche älter als der Turm sind, denn die beiden unteren Geschosse des Turms sind stumpf an diese Westwand angesetzt, die nach hinten hinter die Nord- und Südwand des Turms durchläuft. Diese Wand bildet ursprünglich also die Westwand einer älteren Kirche. An der ehemaligen Außenseite hat sich bis in das erste Obergeschoss großflächig ein mittelalterlicher Außenputz erhalten. In einigen Ausbrüchen der Mauerschale zeigt sich, dass es sich hierbei offenbar um den originalen Putz aus der ersten Bauphase der Westwand handelt. Da die zu bewertenden Mauerdetails im unteren Geschoss für eine Datierung der ältesten Bauteile des Turms in das 12. Jahrhunderts sprechen, muss die stehende Westwand in ihren unteren Bereichen dementsprechend älter sein. Es ist also durchaus möglich, dass Teile des stehenden Kirchenbaus noch zu der 1057 geweihten Kirche gehören.

34137579_1679907698729605_1517892329178923008_n

Zahlreiche Holzkohlepartikel im ältesten Putzmörtel dieser Wand würden sich für eine Datierung mit Hilfe der 14C-Methode anbieten. Es wäre sehr wünschenswert, wenn die angesprochenen Datierungsmethoden nun im Zuge der derzeit laufenden Sanierung nach Rücksprache mit der Kirchengemeinde durchgeführt werden könnten. Dies weäre ohne Zweifel für die Geschichte der Pfarrei und die Kirchengeschichte der westlichen Oberpfalz von Bedeutung. Die Beobachtungen zeigen zudem sehr schön, dass bei Bodeneingriffen im Inneren der Kirche mit weitreichenden Aussagen zur Baugeschichte der Vorgängerkirchen in Etzelwang zu rechnen ist.

34162890_1679897955397246_7997433043084115968_o